Was zum Weltraumwetter gehört
Der Begriff fasst mehrere Dinge zusammen, die alle von der Sonne ausgehen und alle unterschiedlich schnell hier ankommen:
- Strahlung aus einem Sonnenflare, unterwegs mit Lichtgeschwindigkeit, also gut acht Minuten
- Energiereiche Teilchen, Minuten bis Stunden
- Koronale Massenauswürfe, ein bis drei Tage
- Sonnenwind als Dauerstrom, der ständig weht und in Geschwindigkeit und Dichte schwankt
Die drei NOAA-Skalen
Für die Einordnung nutzt die US-Behörde NOAA drei Buchstabenskalen, jeweils von 1 bis 5. Sie werden oft verwechselt.
| Skala | Wofür | Auslöser | Woran man sie abliest |
|---|---|---|---|
| R1 bis R5 | Radio Blackout | Röntgenstrahlung eines Flares | Kurzwellenfunk fällt auf der Tagseite aus |
| S1 bis S5 | Solar Radiation Storm | energiereiche Protonen | Strahlenbelastung in Polrouten, Satellitenelektronik |
| G1 bis G5 | Geomagnetic Storm | koronaler Massenauswurf | KP-Index ab 5, Polarlichter, Netzstörungen |
Für alles, was auf der Erde spürbar diskutiert wird, ist die G-Skala die relevante. G1 entspricht KP 5, G5 entspricht KP 9.
Womit gemessen wird
| Instrument | Ort | Was es liefert |
|---|---|---|
| GOES-Satelliten | geostationär | Röntgenfluss, daraus die Flare-Klasse |
| SOHO mit LASCO | Lagrange-Punkt L1 | Bilder der Korona, Massenauswürfe sichtbar |
| DSCOVR und ACE | Lagrange-Punkt L1 | Sonnenwind vor Ort, rund 1,5 Millionen km vor der Erde |
| Magnetometer-Netz | Bodenstationen | Grundlage für den KP-Index |
| Schumann-Stationen | Boden, zum Beispiel Tomsk und Cumiana | Spektrogramme der Ionosphären-Resonanz |
Wie viel Vorwarnzeit bleibt
Das ist der ehrlichste Teil des Themas. Ein Flare kündigt sich nicht an, seine Strahlung trifft zeitgleich mit dem Licht ein, mit dem man ihn sieht.
Bei einem koronalen Massenauswurf sieht man den Start in den Korona-Bildern und rechnet die Ankunft aus. Diese Rechnung ist auf Stunden genau, nicht auf Minuten. Erst wenn die Wolke L1 passiert, gibt es eine harte Vorwarnung, und die beträgt je nach Geschwindigkeit etwa 15 bis 60 Minuten.
Vorhersagen für den KP-Index über drei Tage sind deshalb Wahrscheinlichkeiten. Wer sie als Termin liest, wird sich regelmäßig wundern.
Wer die Daten herausgibt
- NOAA Space Weather Prediction Center (USA), die meistgenutzte Quelle, frei zugänglich
- ESA Space Weather Service Network (Europa)
- DLR mit dem Ionosphären-Überwachungszentrum IMPC
- GFZ Potsdam für den KP-Index
Alle vier arbeiten öffentlich finanziert und stellen ihre Werte kostenfrei bereit. Was wir daraus für dich aufbereiten, siehst du auf /live-data/.
Was davon im Alltag ankommt
Für die meisten Menschen: technisch nichts. Bei G1 sind laut NOAA höchstens schwache Schwankungen im Stromnetz zu erwarten. Ab G2 nennt dieselbe Skala Spannungsalarme in hohen Breiten und bei langen Stürmen Schäden an Transformatoren.
Berichtet wird trotzdem viel, vor allem Schlafunruhe, Kopfdruck und Reizbarkeit an Sturmtagen. Zu diesen Berichten gibt es Korrelationsstudien und keine belastbare Kausalkette. Wir schreiben deshalb auf, was gemessen wurde, und trennen das von dem, was Menschen erleben. Die lange Fassung dieser Trennung steht auf /schumann-frequenz/, die Symptomseite dazu unter Aufstiegssymptome.