Du siehst hier eine Schumann-Frequenz oder einen Sturm-Wert und fragst dich: Woher kommt diese Zahl eigentlich? Wer misst das? Und kann ich mich wirklich darauf verlassen? Wenn dir das durch den Kopf geht, denkst du genau richtig. Auf vielen Seiten im Netz schweben solche Werte einfach im Raum, ohne Quelle, ohne Kontext, manchmal sogar erfunden. Dieser Artikel macht das Gegenteil: Er zeigt dir offen, woher jede Zahl kommt, wie genau sie ist und — das ist mir wichtig — wo die Grenzen liegen. Am Ende weißt du nicht nur, was wir zeigen, sondern auch, warum du es einordnen kannst.
Kurz gesagt: die schnelle Antwort
Die Schumann-Resonanz-Spektrogramme auf dieser Seite stammen primär von einer Messstation in Tomsk (Sibirien, Russland) und werden mit einer zweiten Station in Cumiana (Italien) gegengeprüft. Die Werte zur geomagnetischen Aktivität — der sogenannte Kp-Index — kommen von zwei der angesehensten Institutionen der Weltraumwetter-Forschung: NOAA SWPC in den USA und dem GFZ Potsdam in Deutschland. Gemessen wird in Pikotesla und Hertz beim Erdmagnetfeld-Signal, der Kp-Index ist eine Zahl von 0 bis 9. Nichts davon ist hundertprozentige Echtzeit, und keine einzelne Station ist unfehlbar. Den Rest dieses Artikels nutze ich, um genau das zu erklären.
Die Schumann-Resonanz: erst Theorie, dann Messung
Bevor wir über die Messung reden, kurz zur Sache selbst. Die Schumann-Resonanz ist kein esoterisches Konstrukt, sondern etablierte Physik. Der Raum zwischen der Erdoberfläche und der elektrisch leitenden Ionosphäre bildet einen Hohlraum — eine Art riesigen Resonanzkörper. Blitze, von denen weltweit etwa 50 pro Sekunde einschlagen, regen diesen Hohlraum ständig an. Bestimmte Wellenlängen passen genau hinein und verstärken sich, ähnlich wie ein Ton in einer Orgelpfeife.
Der Physiker Winfried Otto Schumann sagte diese Resonanzen 1952 rein rechnerisch voraus, aus Maxwells Gleichungen und der bekannten Geometrie von Erde und Ionosphäre. Acht Jahre später, 1960, lieferten Balser und Wagner in der Fachzeitschrift Nature die erste saubere experimentelle Bestätigung: Sie maßen tatsächlich Spitzen im Spektrum genau dort, wo Schumann sie vorhergesagt hatte. Die Grundschwingung liegt bei etwa 7,83 Hz, weitere Moden folgen bei rund 14, 20 und 26 Hz. Diese Physik ist seit über sechzig Jahren bestätigt und unstrittig. Wenn du tiefer einsteigen willst, haben wir das im Lexikon zur Schumann-Resonanz und ausführlicher im Artikel Schumann-Resonanz: die Erdfrequenz erklärt aufbereitet.
Woher die Schumann-Daten kommen: Tomsk und Cumiana
Eine Resonanz vorherzusagen ist eine Sache, sie laufend zu messen eine andere. Dafür braucht es empfindliche Magnetometer an einem möglichst störungsarmen Ort. Wir greifen auf zwei solcher Stationen zurück.
Unsere primäre Quelle ist die Station in Tomsk, Sibirien. Sie wird vom Siberian Physical-Technical Institute der Tomsk State University betrieben (intern als SOSRFF bekannt) und liegt bei etwa 55° Nord, 83° Ost. Sie zeichnet das extrem niederfrequente (ELF) elektromagnetische Hintergrundrauschen kontinuierlich auf und erzeugt daraus ein Spektrogramm, das ungefähr im Minutentakt aktualisiert wird. Tomsk hat sich in der Community der Schumann-Beobachter als eine der zuverlässigsten und am wenigsten verrauschten Stationen etabliert — deshalb ist sie unser Anker.
Als zweite, unabhängige Station nutzen wir Cumiana in Norditalien (bei etwa 45° Nord, 7° Ost), betrieben vom Funkamateur und VLF-Spezialisten Renato Romero. Dort messen Induktionsspulen im Bereich von etwa 0,1 bis 35 Hz mit einer Empfindlichkeit von rund 1 pT. In den Cumiana-Spektrogrammen sind die Schumann-Linien bei 7,83, 14,3 und 20,8 Hz fast immer als feine waagrechte Streifen sichtbar — außer eine nahe 380-kV-Hochspannungsleitung übertönt sie lokal.
Zwei Stationen, zwei Kontinente: Genau darum geht es. Wenn beide dasselbe Muster zeigen, ist das ein gutes Zeichen für ein echtes, globales Signal und nicht für eine lokale Störung.
Die Werte im Überblick
| Was wir zeigen | Einheit | Quelle | Aktualisierung |
|---|---|---|---|
| Schumann-Spektrogramm | Pikotesla (pT) über Hertz (Hz) | Tomsk (SOSRFF, TSU) | ~minütlich |
| Schumann-Gegenprüfung | Pikotesla (pT) über Hertz (Hz) | Cumiana (Italien) | laufend |
| Geomagnetische Aktivität (Kp) | Index 0–9 | NOAA SWPC / GFZ Potsdam | 3-Stunden-Fenster |
| Kp-Schätzwert (vorläufig) | Index 0–9 | NOAA SWPC | nahezu minütlich |
Die Tabelle zeigt schon das Grundprinzip: Verschiedene Größen, verschiedene Einheiten, verschiedene Takte. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Einheiten.
Pikotesla und Hertz: was die Einheiten bedeuten
Bei der Schumann-Resonanz mischen sich zwei Größen, die man leicht verwechselt — und du wirst beide bei uns sehen.
Hertz (Hz) beschreibt die Frequenz: wie oft die Welle pro Sekunde schwingt. 7,83 Hz heißt knapp acht Schwingungen pro Sekunde. Diese Frequenz ist erstaunlich stabil; sie hängt im Wesentlichen vom Erdumfang ab und schwankt nur leicht, etwa mit Tageszeit und Zustand der Ionosphäre.
Pikotesla (pT) beschreibt die Feldstärke, also die Amplitude — wie kräftig das magnetische Signal ist. Ein Pikotesla ist ein Billionstel Tesla, eine winzige Größe. Zum Vergleich: Das Erdmagnetfeld selbst liegt bei rund 25.000 bis 65.000 Nanotesla, also milliardenfach stärker. Die Schumann-Amplitude bewegt sich dagegen im Bereich weniger Pikotesla. Genau diese Schwäche macht die Messung so anspruchsvoll und so anfällig für lokale Störquellen.
Auf einem Spektrogramm siehst du beides zugleich: Die senkrechte Achse ist die Frequenz (Hz), die Farbe oder Helligkeit zeigt die Stärke (verwandt mit Pikotesla), die waagrechte Achse ist die Zeit. Eine kräftige helle Linie bei 7,83 Hz bedeutet also: Die Grundresonanz ist gerade stark ausgeprägt.
Der Kp-Index: NOAA SWPC und GFZ Potsdam
Neben der Schumann-Resonanz zeigen wir den Kp-Index. Er misst, wie stark das Erdmagnetfeld durch den Sonnenwind gestört wird — also wie aktiv das geomagnetische Wetter gerade ist. Die Skala reicht von 0 (ruhig) bis 9 (extremer Sturm); ab Kp 5 spricht man von einem geomagnetischen Sturm. Das “K” stammt übrigens vom deutschen Wort “Kennziffer”.
Der Kp-Wert ist kein einzelner Messpunkt, sondern ein Mittel aus 13 Observatorien zwischen etwa 44° und 60° geomagnetischer Breite auf beiden Halbkugeln. Aus den maximalen Schwankungen der Horizontalkomponente des Magnetfelds über jeweils drei Stunden wird pro Station ein K-Wert bestimmt und daraus der planetare Kp.
Zwei Institutionen sind hier zentral. Das GFZ Potsdam (GeoForschungsZentrum) berechnet und vergibt den Kp-Index offiziell — er ist IAGA-anerkannt und seit 2021 sogar mit einer eigenen DOI als zitierfähiger Datensatz publiziert (Matzka et al. 2021). Das NOAA Space Weather Prediction Center (SWPC) in den USA veröffentlicht zusätzlich einen geschätzten planetaren Kp nahezu in Echtzeit und überwacht die vorläufigen Werte minütlich. Wir nutzen beide: SWPC für die schnelle aktuelle Einordnung, GFZ als offizielle Referenz. Was der Kp-Wert für dich konkret heißt, steht im Lexikon zum Kp-Index — und live findest du ihn jederzeit unter Kp-Index jetzt.
Warum “Echtzeit” relativ ist
Das Wort “Echtzeit” liest man überall, aber bei Geophysik-Daten ist es immer eine kleine Vereinfachung. Die Magnetfeldschwankung muss zuerst von einem Sensor erfasst, dann digitalisiert, übertragen, verarbeitet und schließlich veröffentlicht werden. Jeder Schritt kostet Zeit.
Beim Tomsk-Spektrogramm liegt diese Verzögerung im Minutenbereich — gut genug, um den aktuellen Zustand des Hohlraums zu sehen. Beim Kp-Index ist es komplizierter: Per Definition fasst er drei Stunden zusammen. Der endgültige Wert für ein Fenster steht also erst fest, wenn das Fenster vorbei ist. Was du in der Zwischenzeit siehst, ist ein vorläufiger Schätzwert, der laufend aktualisiert und später korrigiert werden kann. Das ist kein Fehler, sondern die Natur der Messung.
Konkret heißt das: Wenn auf dieser Seite “jetzt” steht, meinen wir “so aktuell, wie die Quelle es hergibt” — meist Minuten alt, beim endgültigen Kp bis zu einigen Stunden. Wir verschweigen diese Verzögerung nicht und tun nicht so, als hättest du eine Stoppuhr-genaue Live-Schaltung zum Erdmagnetfeld. Den jeweils frischesten Stand findest du gebündelt unter Live-Daten und Spacemonitor.
Was ein Spektrogramm eigentlich zeigt
Das Spektrogramm ist das Herzstück der Schumann-Anzeige, und es lohnt sich, es lesen zu lernen. Stell es dir wie ein Notenblatt für das elektromagnetische Rauschen der Erde vor.
Die waagrechte Achse ist die Zeit — du blickst auf einen Verlauf, oft über mehrere Stunden. Die senkrechte Achse ist die Frequenz in Hertz, von ganz unten (nahe 0 Hz) bis hinauf zu den höheren Moden. Die Farbe oder Helligkeit kodiert die Intensität: dunkel bedeutet schwaches Signal, hell oder warm bedeutet kräftiges Signal.
Wenn alles ruhig und sauber läuft, siehst du mehrere waagrechte Linien übereinander — bei 7,83 Hz, dann bei rund 14, 20 und 26 Hz. Das sind die Schumann-Moden. Werden diese Linien plötzlich breiter, heller oder unscharf, deutet das auf veränderte Bedingungen hin, etwa stärkere Gewitteraktivität oder eine gestörte Ionosphäre. Wichtig zur Einordnung: Eine kräftigere Linie ist nicht automatisch “gut” oder “schlecht” — sie ist erst einmal nur eine Messung. Was Menschen dabei subjektiv spüren, ist ein eigenes Thema, das wir bewusst von der reinen Physik trennen.
Die ehrlichen Grenzen
Hier kommt der Teil, den die meisten Seiten weglassen — und der mir am wichtigsten ist.
Eine einzelne Station kann lokal gestört sein. Hochspannungsleitungen, technische Geräte, lokale Gewitter oder Wartungsarbeiten können das schwache Pikotesla-Signal überlagern. Was dann wie ein dramatischer “Erd-Effekt” aussieht, ist vielleicht nur ein Bagger in der Nähe der Antenne. Genau deshalb prüfen wir Tomsk gegen Cumiana: Erscheint ein Muster nur an einer Station, ist Vorsicht geboten.
Stationen fallen aus. Es gibt immer wieder Phasen, in denen Tomsk kein verwertbares Signal liefert — technische Probleme, Stromausfälle, Übertragungslücken. Solche “Blackout”-Phasen sind normal. Unser Grundsatz: Wir frieren in so einem Fall die alten Werte nicht heimlich ein und erfinden erst recht nichts dazu. Stattdessen kennzeichnen wir die Phase offen als Blackout. Eine ehrliche Lücke ist mehr wert als eine schöne, aber falsche Zahl.
Die Physik ist sicher — die biologischen Deutungen sind es nicht. Dass die Schumann-Resonanz existiert und messbar ist, steht außer Frage. Ob und wie sie auf den Menschen wirkt, ist eine ganz andere, viel offenere Frage. Es gibt ernstzunehmende Forschung dazu, etwa eine Studie der HeartMath-Gruppe (Timofejeva, McCraty et al. 2021), die Hinweise auf eine Synchronisation zwischen Herzratenvariabilität und geomagnetischer Aktivität fand. Aber: Das sind überwiegend Korrelationsstudien mit teils kleinen Stichproben, nicht breit repliziert. Korrelation ist nicht Kausalität. Wir berichten solche Befunde, ohne sie zu Heilsversprechen aufzublasen — wer das Thema seriös vertiefen will, findet bei uns etwa was hochsensible Menschen beim Kp-Index spüren als vorsichtige Einordnung.
Warum wir das so offenlegen
Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass man perfekt klingt, sondern dadurch, dass man nachvollziehbar ist. Du sollst jede Zahl auf dieser Seite zurückverfolgen können — bis zur Station, bis zur Institution, bis zum physikalischen Prinzip dahinter. Und du sollst wissen, wo die Daten unsicher werden.
Deshalb dieser Artikel. Die Schumann-Resonanz ist ein echtes, faszinierendes physikalisches Phänomen, der Kp-Index ein etabliertes Maß für das Weltraumwetter. Beides verdient es, sauber und ehrlich gezeigt zu werden — mit Quellen, mit Einheiten, mit Grenzen. Wenn du das nächste Mal eine Frequenz oder einen Sturm-Wert hier siehst, weißt du jetzt, was dahintersteckt und wie weit du dich darauf verlassen kannst.
Wenn dich das Thema “Erdfrequenz und Mensch” auf einer persönlicheren Ebene berührt, magst du vielleicht auch herausfinden, welcher Seelen-Typ in dir schwingt — das Seelen-Typ-Quiz von Seelenname ist ein ruhiger, intuitiver Selbsttest, ganz ohne Daten-Druck.
Quellen
- Schumann, W. O. (1952). Über die strahlungslosen Eigenschwingungen einer leitenden Kugel, die von einer Luftschicht und einer Ionosphärenhülle umgeben ist. Zeitschrift für Naturforschung A, 7(2), 149–154.
- Balser, M., & Wagner, C. A. (1960). Observations of Earth–Ionosphere Cavity Resonances. Nature, 188, 638–641. https://www.nature.com/articles/188638a0
- Tomsk State University / Siberian Physical-Technical Institute — Schumann-Resonanz-Monitoring (SOSRFF). http://sosrff.tsu.ru/
- Cumiana VLF Monitoring Station (Renato Romero, IK1QFK). http://www.vlf.it/cumiana/livedata.html
- NOAA Space Weather Prediction Center — Planetary K-index. https://www.swpc.noaa.gov/products/planetary-k-index
- GFZ Potsdam — Geomagnetischer Kp-Index. https://kp.gfz.de/en/about-kp
- Matzka, J., Stolle, C., Yamazaki, Y., Bronkalla, O., & Morschhauser, A. (2021). The geomagnetic Kp index and derived indices of geomagnetic activity. Space Weather, 19(5). https://doi.org/10.1029/2020SW002641
- Timofejeva, I., McCraty, R., Atkinson, M., Alabdulgader, A. A., Vainoras, A., Landauskas, M., Šiaučiūnaitė, V., & Ragulskis, M. (2021). Global Study of Human Heart Rhythm Synchronization with the Earth’s Time Varying Magnetic Field. Applied Sciences, 11(7), 2935. https://doi.org/10.3390/app11072935