Vielleicht kennst du das: Du schaust auf eine Live-Seite, die deine Tage mitbestimmt, und siehst zwei Zahlen nebeneinander. Einmal einen Kp-Wert, irgendwo zwischen 0 und 9. Daneben eine Frequenz, oft um 7,83 Hz, manchmal mit bunten Spektrogrammen. Und du fragst dich: Ist das nicht im Grunde dasselbe? Beides „Erd-Energie“, beides „Aktivität“? Die ehrliche Antwort ist nein, und genau dieser Unterschied ist es wert, einmal in Ruhe sortiert zu werden. Denn wenn du verstehst, was jeder Wert wirklich misst, kannst du dein eigenes Erleben besser einordnen, ohne dich von jeder Spitze im Diagramm verunsichern zu lassen.
Dieser Artikel macht genau das. Er erklärt dir, was der Kp-Index ist, was die Schumann-Resonanz ist, wo sie sich berühren und wo nicht und welchen Wert du wann sinnvoll im Blick behältst. Wissenschaftlich sauber, aber ohne dich mit Fachsprache zu erschlagen.
Quick-Take: zwei Werte, zwei Stockwerke
Stell dir die Erde wie ein Haus mit mehreren Stockwerken vor.
- Der Kp-Index misst, wie sehr es im Magnetfeld rumpelt, also wie stark der Sonnenwind von außen am Erdmagnetfeld rüttelt. Skala 0 bis 9. Ab 5 nennt man es einen Sturm.
- Die Schumann-Resonanz misst ein elektromagnetisches Brummen im Hohlraum zwischen Erdoberfläche und Ionosphäre, angeregt durch weltweite Gewitter. Grundfrequenz rund 7,83 Hz.
Beide werden von der oberen Atmosphäre beeinflusst, aber sie haben unterschiedliche Quellen und unterschiedliche Empfänger. Der Kp-Index ist ein etablierter, weltweit standardisierter Wert. Die Schumann-Resonanz ist ein gut erforschtes physikalisches Phänomen, dessen Verbindung zum menschlichen Körper aber wissenschaftlich umstritten bleibt.
Was misst der Kp-Index?
Der Kp-Index beschreibt die geomagnetische Aktivität der ganzen Erde in einem Drei-Stunden-Fenster. Eingeführt hat ihn der Geophysiker Julius Bartels im Jahr 1949, und bis heute stützt sich der Wert auf die Messungen von 13 geomagnetischen Observatorien rund um den Globus (GFZ, kp.gfz.de). Das kleine p steht für planetarisch, also weltweit gemittelt; die US-Wetterbehörde NOAA führt denselben Wert deshalb schlicht als „planetary K-index“.
Konkret läuft es so: An diesen Observatorien messen Magnetometer die Schwankungen in der horizontalen Komponente des Erdmagnetfelds. Der Wert wird aus den größten Ausschlägen innerhalb eines Drei-Stunden-Fensters abgeleitet und reicht von 0 bis 9; ab 5 spricht die NOAA von einem geomagnetischen Sturm (NOAA Space Weather Prediction Center). Bei 0 bis 1 ist das Feld ruhig, bei 9 tobt ein schwerer Sturm. In der Vorhersage taucht der Wert sogar in Dritteln auf: Im NOAA-Lauf vom 29. August 2026 standen in der 3-Tage-Vorhersage zum Beispiel 5,67 und 2,67. Diese Datei wird alle zwölf Stunden überschrieben, die Drittel-Abstufung selbst bleibt. Eines der 13 Observatorien liegt in Niemegk bei Potsdam und wird vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung betrieben, das den Kp-Index bereitstellt; die operative Vorhersage übernimmt das Space Weather Prediction Center der NOAA.
Der eigentliche Antrieb hinter hohen Kp-Werten ist die Sonne. Wenn sie eine Wolke geladener Teilchen ausstößt, etwa nach einer Sonneneruption oder aus einem koronalen Loch, trifft dieser Sonnenwind auf das Erdmagnetfeld und staucht es zusammen. Diese Störung registrieren die Magnetometer am Boden. Der Kp-Index ist damit ein indirekter Fühler für die Energie, die vom Sonnenwind in die Magnetosphäre der Erde übergeht. Auf /kp-index-jetzt siehst du den aktuellen Wert in Echtzeit.
Die G-Skala: von G1 bis G5
Für die Praxis übersetzt die NOAA hohe Kp-Werte in eine fünfstufige Sturm-Skala, die sogenannte G-Skala. Sie macht greifbar, was ein Sturm bedeuten kann. Die folgenden Beschreibungen sind die vereinfachten Entsprechungen der offiziellen NOAA Space Weather Scales.
| Kp-Wert | NOAA-Stufe | Bedeutung (vereinfacht) |
|---|---|---|
| 0 bis 4 | unterhalb Sturm | ruhig bis leicht unruhig |
| 5 | G1 (gering) | schwache Schwankungen im Stromnetz, Polarlicht in hohen Breiten |
| 6 | G2 (mäßig) | Spannungsalarme in hohen Breiten, Kurzwellenfunk kann dort wegsacken |
| 7 | G3 (stark) | Aufladung an Satellitenoberflächen, Kurzwellenfunk zeitweise unterbrochen |
| 8 | G4 (schwer) | verbreitete Spannungsprobleme, Schutzsysteme können auslösen |
| 9 | G5 (extrem) | einzelne Netze können ganz zusammenbrechen, Kurzwellenfunk ein bis zwei Tage unmöglich |
Die Polarlicht-Angaben der NOAA sind auf Nordamerika bezogen und reichen von Nord-Michigan bei G1 bis Florida und Texas bei G5 (NOAA Space Weather Scales). Für Mitteleuropa lassen sie sich nicht eins zu eins übernehmen.
Wenn dich diese Werte aus körperlicher Sicht interessieren, findest du im Beitrag Was HSP beim Kp-Index spüren eine ehrliche Einordnung. Und wenn du tiefer in die Definition willst, lohnt das Lexikon zum Kp-Index.
Was ist die Schumann-Resonanz?
Jetzt wechseln wir das Stockwerk. Die Schumann-Resonanz ist ein ganz anderes Phänomen, auch wenn sie in derselben oberen Atmosphäre spielt.
Zwischen der elektrisch leitfähigen Erdoberfläche und der ebenfalls leitfähigen Ionosphäre liegt ein kugelförmiger Hohlraum. Für diese sehr langen Wellen wirkt die untere Ionosphäre wie ein Deckel in rund 60 bis 90 Kilometern Höhe, während die Ionosphäre als Schicht selbst bis etwa 1000 Kilometer hinaufreicht. Man kann sich das wie eine riesige, dünne Schale vorstellen. In diesem Hohlraum können sich elektromagnetische Wellen bestimmter Wellenlängen wie stehende Wellen ausbilden, ähnlich wie ein Ton in einer Orgelpfeife. Der deutsche Physiker Winfried Otto Schumann beschrieb dieses Phänomen 1952 rein theoretisch, allein aus den Maxwell-Gleichungen und der Geometrie der Erde (Schumann 1952, DOI 10.1515/zna-1952-0202). Den ersten publizierten messtechnischen Nachweis lieferten 1960 Balser und Wagner in der Fachzeitschrift Nature (DOI 10.1038/188638a0). Beide Originalarbeiten stehen hinter Bezahlschranken. Belegt ist hier deshalb die Reihenfolge, nicht mehr: erst die Theorie 1952, dann die Messung 1960, so hält es auch eine spätere Übersichtsarbeit von NASA-Forschern fest (Simões et al. 2012, Space Science Reviews 168, 551 bis 593, DOI 10.1007/s11214-011-9854-0).
Die Grundfrequenz liegt bei etwa 7,83 Hz, gefolgt von höheren Moden bei rund 14,3 Hz, 20,8 Hz, 27,3 Hz und 33,8 Hz. Glatte Vielfache der Grundfrequenz sind das nicht: Zweimal 7,83 Hz ergäbe 15,66 Hz, gemessen wird die zweite Mode aber bei 14,3 Hz. Diese Frequenzen sind extrem niedrig, sie liegen im ELF-Bereich (extrem niederfrequent). Angeregt werden die Wellen von Blitzen. Die Sonne ist hier nicht die Quelle; in der Fachliteratur gelten Gewitter als die dominierende Quelle der ELF-Wellen in diesem Hohlraum (Simões et al. 2012, DOI 10.1007/s11214-011-9854-0). Satellitenmessungen mit dem Optical Transient Detector beziffern die weltweite Blitzrate auf 44 plus minus 5 pro Sekunde (Christian et al. 2003, DOI 10.1029/2002JD002347), und jeder einzelne davon speist ein bisschen Energie in den Hohlraum ein. Deshalb ist die Stärke des Schumann-Signals vor allem ein Spiegel der globalen Gewitter-Aktivität, die über den großen Landmassen am Nachmittag und am frühen Abend am höchsten ist.
Genau aus diesem Grund hat die Schumann-Amplitude einen eigenen Tages- und Jahresrhythmus, der nichts mit der Sonne zu tun hat. Der Großteil der weltweiten Blitze entsteht in drei tropischen Gewitter-Zonen, die Forscher gern „Schornsteine“ nennen: Südostasien, Afrika und Amerika. Jede dieser Zonen hat ihren Höhepunkt zu einer anderen Tageszeit, meist am dortigen Nachmittag oder frühen Abend, und dieser Wechsel taucht im Messschrieb wieder auf. Eine japanische Station wertete dafür Schumann-Daten von November 1998 bis Mai 2002 aus und fand die südostasiatische Aktivität zwischen 7 und 10 UT, die afrikanische zwischen 14 und 15 UT und die amerikanische um Mitternacht UT herum (Sekiguchi et al. 2006, Annales Geophysicae 24, 1809 bis 1817, DOI 10.5194/angeo-24-1809-2006). Welcher Schornstein im Schrieb am kräftigsten aussieht, hängt von der Station ab: Dieselbe Arbeit hält ausdrücklich fest, dass die afrikanische Spitze dort durch die Richtcharakteristik der Magnetantenne gedämpft ankam. Über das Jahr verschieben sich diese Spitzen mit den Jahreszeiten, weil die Gewitter mit der Sonne über die Kontinente wandern. Wenn du dieselbe Live-Seite also über mehrere Tage beobachtest, siehst du oft ein atmendes Auf und Ab, das einer inneren Uhr folgt, nicht einem Sturm.
Wichtig für das Verständnis: Die berühmte Zahl 7,83 Hz ist kein fester, unveränderlicher Wert. Sie schwankt im Tagesverlauf und mit der Höhe der Ionosphäre leicht. Mehr Hintergrund findest du im Lexikon zur Schumann-Resonanz und im ausführlichen Beitrag Schumann-Resonanz als Erdfrequenz erklärt.
Wer misst die Schumann-Resonanz?
Anders als beim Kp-Index gibt es für die Schumann-Resonanz kein einzelnes weltweites Standard-Gremium. Sie wird an verschiedenen Forschungsstationen erfasst, etwa im russischen Tomsk, in Ungarn, in Polen oder in Mexiko. Jede Station misst lokal, mit eigenen Sensoren und eigener Kalibrierung. Das ist ein Grund, warum verschiedene Live-Seiten manchmal unterschiedliche Bilder zeigen: Sie greifen auf verschiedene Stationen zurück.
Daraus folgt eine Sache, die dir viel Grübeln erspart. Voll kalibrierte Stationen geben ihre Intensität in einer echten physikalischen Einheit an, in der oben genannten japanischen Arbeit etwa in Pikotesla zum Quadrat (Sekiguchi et al. 2006). Die bunten Kurven, die im Netz am häufigsten geteilt werden, tragen dagegen gar keine Einheit. Die Amplitudenachse der Tomsk-Bilder ist ein Index der Farbskala und kein Pikotesla-Wert. Wenn also irgendwo steht, die Erde habe heute „so und so viele Pikotesla“ erreicht, ist das aus diesen Bildern nicht ablesbar. Wie wir die Daten aufbereiten, kannst du auf /spacemonitor und unter /live-data nachvollziehen.
Die Brücke: wie hängen beide zusammen?
Hier wird es spannend, und hier liegt auch die Quelle der meisten Verwechslungen. Es gibt nämlich tatsächlich eine physikalische Verbindung, aber sie ist indirekt.
Der Schlüssel ist die Ionosphäre. Sie ist die obere Wand des Schumann-Hohlraums und gleichzeitig der Ort, an dem sich geomagnetische Stürme stark auswirken. Wenn der Sonnenwind das Erdmagnetfeld staucht und der Kp-Index steigt, wird auch die Ionosphäre durcheinandergebracht. Ihre Höhe, ihre Leitfähigkeit und ihre Dichte verändern sich, besonders in den Polregionen. Und weil die Ionosphäre eine Wand des Resonanz-Hohlraums bildet, kann eine veränderte Wand den Klang des Hohlraums leicht verschieben, so wie eine andere Orgelpfeifen-Länge den Ton ändert. Die Fachliteratur führt Störungen der unteren Ionosphäre ausdrücklich auch auf die Wechselwirkung von Sonnenwind und Magnetosphäre und auf Sturm- und Substurm-Aktivität zurück (Simões et al. 2012, DOI 10.1007/s11214-011-9854-0). Dass sich Amplitude, Frequenz und Güte des Hohlraums häufig verändern, hält dieselbe Übersichtsarbeit an anderer Stelle fest, dort allerdings für solare Protonenereignisse als Treiber. Das ist ein eigener Vorgang, den man mit dem geomagnetischen Sturm nicht in einen Topf werfen sollte. Für den Sturm belegt diese Stelle also die gestörte Wand, noch nicht den veränderten Klang.
Wie sich ein geomagnetischer Sturm auf den Klang des Hohlraums auswirkt, zeigen erst Untersuchungen an realen Messdaten. Der Effekt fällt dort klein aus. Eine 2019 veröffentlichte Auswertung der Schumann-Station im mexikanischen Coeneo verglich 14-Tage-Fenster rund um geomagnetische Stürme mit ruhigen Tagen und fand für die mittlere Amplitude der ersten drei Schumann-Moden an den gestörten Tagen einen statistisch bedeutsamen Anstieg von mehr als einer Standardabweichung (Pazos et al. 2019, Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics 193, 105091, DOI 10.1016/j.jastp.2019.105091). Wie schmal diese Datenbasis ist, sagt die Arbeit selbst: Aus den Jahren 2015 bis 2017 blieben nach der Auswahl, nämlich Dst-Werte unter etwa minus 70 nT für mittlere bis schwere Stürme, genau fünf brauchbare 14-Tage-Fenster übrig. Und die Autoren schreiben dazu, dass der Anstieg auch von anderen natürlichen Vorgängen mitverursacht sein kann, etwa von der örtlichen Blitzaktivität. Das passt zum Gesamtbild: Ja, ein Sturm kann die Schumann-Resonanz anstupsen, vor allem ihre Amplitude, aber der Effekt ist ein Flüstern, kein Knall. Mehr dazu, wie sich das auf Schlaf und Träume auswirken könnte, liest du im Beitrag Geomagnetische Stürme, Schlafmuster und Träume.
Was aber ausdrücklich nicht etabliert ist: dass diese kleinen Verschiebungen direkt und vorhersagbar Beschwerden im menschlichen Körper auslösen. Hier reden wir über Korrelation, nicht über bewiesene Ursache und Wirkung. Dazu gleich mehr.
Warum die beiden Werte sich unterschiedlich verhalten
Der häufigste Aha-Moment beim Vergleich ist dieser: Manchmal ist der Kp-Index hoch, und die Schumann-Werte bleiben ruhig. Oder umgekehrt. Das ist logisch, sobald man die verschiedenen Quellen kennt. Ein Messfehler steckt nicht dahinter. Hier ein paar typische Szenarien.
| Szenario | Kp-Index | Schumann-Resonanz | Warum |
|---|---|---|---|
| Magnetsturm, ruhige Gewitter-Lage | hoch (z. B. Kp 6) | weitgehend ruhig | Der Sturm stört das Magnetfeld, aber die Schumann-Amplitude hängt vor allem an weltweiten Gewittern, die gerade schwach sind |
| Starke globale Gewitter, ruhiges Magnetfeld | niedrig (Kp 1 bis 2) | erhöhte Amplitude | Viele Blitze regen den Hohlraum stark an, ganz ohne Sonnensturm |
| Sturm trifft auf aktive Gewitter | hoch | erhöht und unruhig | Beide Quellen wirken zusammen, der seltenere „Beide-Werte-hoch“-Fall |
| Nachmittag über Landmassen | unabhängig | natürlicher Tages-Anstieg | Tageszeitliche Gewitter-Schwankung, kein Sturm-Signal |
| Daten-Lücke einer Station | normal | scheinbar flach oder fehlend | Technischer Ausfall am Sensor, kein echtes physikalisches Ereignis |
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Tabelle: Eine ruhige Schumann-Anzeige bei hohem Kp ist normal. Sie bedeutet nicht, dass etwas kaputt ist oder dass der Sturm „harmlos“ wäre. Sie bedeutet nur, dass die beiden Werte unterschiedliche Geschichten erzählen. Und gerade der letzte Punkt ist wichtig zu wissen: Eine flache Schumann-Linie ist oft schlicht eine technische Daten-Lücke der Messstation, nicht eine plötzlich „stille Erde“. Wir kennzeichnen solche Blackouts auf unseren Seiten ehrlich, statt eine andere Station als echten Wert auszugeben.
Was du auf einer Live-Seite konkret siehst
Bevor wir zum praktischen Teil kommen, lohnt ein kurzer Blick darauf, was die Zahlen und Bilder auf einer Live-Seite eigentlich darstellen, damit du sie nicht überinterpretierst.
- Der Kp-Wert erscheint meist als einzelne Ziffer oder als Balken-Reihe in Drei-Stunden-Schritten, oft eingefärbt von Grün (ruhig) über Gelb bis Rot (Sturm ab Kp 5). Eine begleitende Vorhersage zeigt häufig die nächsten ein bis drei Tage, weil sich der Sonnenwind ein Stück weit vorausberechnen lässt.
- Das Schumann-Spektrogramm ist das bunte Bild mit der Zeit auf der einen und der Frequenz auf der anderen Achse. Helle, breite Bänder bedeuten viel Energie, also kräftige Gewitter weltweit, nicht zwangsläufig einen Sturm. Die Grundlinie um 7,83 Hz und ihre Harmonischen erkennst du als waagerechte Streifen.
- Zeitzonen stiften oft Verwirrung: Viele Schumann-Bilder laufen in der Lokalzeit ihrer Station, etwa Tomsk (GMT+7), während Kp-Werte in Weltzeit (UT) angegeben werden. Wenn zwei Seiten anders aussehen, ist das häufig nur ein Zeitversatz.
Kurz gesagt: Eine helle Stelle im Spektrogramm und ein hoher Kp-Balken sind zwei getrennte Signale. Beide am selben Tag zu sehen ist möglich, aber kein Beweis, dass das eine das andere verursacht hat.
Wann beachtest du welchen Wert?
Jetzt zum praktischen Teil. Du musst nicht beide Diagramme gleichzeitig im Kopf behalten. Je nachdem, was dich beschäftigt, ist meist einer der beiden Werte der nützlichere.
Achte eher auf den Kp-Index, wenn:
- du Polarlichter sehen möchtest. Je höher der Kp-Wert, desto weiter südlich reicht der Polarlichtgürtel. Beziffert wird das von der NOAA allerdings nur für Nordamerika, von Nord-Michigan bei G1 bis Florida und Texas bei G5. Eine offizielle Schwelle für Mitteleuropa steht dort nicht, du bist hier auf Erfahrungswerte, Standort und Bewölkung angewiesen.
- du beobachtest, ob es einen Zusammenhang zwischen Sonnenwind und deinem Befinden gibt. Der Kp-Index ist der zuverlässig vorhergesagte, weltweit standardisierte Wert und damit der praktischere Anker.
- du dich für die Sonnen-Aktivität insgesamt interessierst, etwa rund um Sonneneruptionen.
Achte eher auf die Schumann-Resonanz, wenn:
- dich das große physikalische Bild fasziniert, also der lebendige elektromagnetische Hintergrund der Erde an sich.
- du Spektrogramme über längere Zeiträume beobachtest und Muster im Tages- und Jahresverlauf erkennen willst.
Für die meisten Menschen, die spüren, dass sie auf „etwas da draußen“ reagieren, ist der Kp-Index der bodenständigere Wert. Er ist klar definiert, er wird vorhergesagt, und seine Quelle, der Sonnenwind, ist gut verstanden. Die Schumann-Resonanz ist faszinierend, aber als persönlicher Tages-Indikator schwerer zu deuten, weil sie so stark von Gewittern und der jeweiligen Messstation abhängt.
Die ehrliche Einordnung: was gesichert ist und was nicht
An dieser Stelle ein klares Wort, weil es im Netz oft durcheinandergeht.
Gesichert ist die Physik. Der Kp-Index geht auf das Jahr 1949 zurück und wird bis heute aus 13 Observatorien gebildet und operativ vorhergesagt (GFZ; NOAA Space Weather Prediction Center). Die Schumann-Resonanz als elektromagnetisches Phänomen im Erd-Ionosphären-Hohlraum wurde 1952 theoretisch beschrieben und 1960 erstmals publiziert gemessen (Simões et al. 2012). Dass ein geomagnetischer Sturm die Ionosphäre stört und dadurch die Schumann-Amplitude leicht anheben kann, ist durch Messdaten belegt, wenn auch im kleinen Rahmen (Pazos et al. 2019).
Umstritten und nicht abschließend bewiesen ist die direkte Wirkung auf den menschlichen Körper. Es gibt ernstzunehmende Forschung, und es lohnt sich, zwei Arbeiten mit ihren echten Größenordnungen anzuschauen.
Eine 2018 in Scientific Reports veröffentlichte Langzeitstudie um Rollin McCraty vom HeartMath-Institut zeichnete über fünf Monate hinweg wöchentlich 72 Stunden am Stück die Herzratenvariabilität von 16 Teilnehmerinnen in Hofuf, Saudi-Arabien, auf. Sie fand Zusammenhänge mit Sonnenwind, kosmischer Strahlung und der Leistung der Schumann-Resonanz (Alabdulgader et al. 2018, DOI 10.1038/s41598-018-20932-x). Die Autoren schreiben die Einschränkung selbst dazu: „Although this type of study is correlational due to the independent measures of interest, it is a limitation.“ Sechzehn Menschen an einem Ort sind ein Hinweis, keine Beweislage.
Eine zweite Arbeit ging es epidemiologisch an: Sie verglich für ein Jahr, April 2013 bis März 2014, insgesamt 7.755 Krankenhausaufnahmen wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Provinz Granada mit den Messwerten einer Schumann-Station in der Sierra Nevada. Statistisch fanden sich Häufungen, allerdings ausgerechnet an den Tiefpunkten der Schumann-Amplitude und nicht an den Spitzen (Fdez-Arroyabe et al. 2020, Science of the Total Environment 705, 135813, DOI 10.1016/j.scitotenv.2019.135813). Ihre eigene Einleitung beginnt mit dem Eingeständnis, dass die Mechanismen und Wirkpfade, über die solche ELF-Felder auf Biologie oder Gesundheit wirken könnten, überhaupt erst gefunden werden müssen.
Das ist der ehrliche Stand: Es gibt Korrelationen, gemessen an kleinen Gruppen oder in einer einzelnen Region, sie zeigen nicht immer in dieselbe Richtung, und ein erklärender Mechanismus fehlt. Für die Behauptung, ein bestimmter Schumann-Wert löse ein bestimmtes Symptom aus, gibt es bisher keine belastbaren Studien. Wer dir verspricht, ein Zahlenwert erkläre garantiert deine Müdigkeit oder deine Kopfschmerzen, geht über das hinaus, was die Daten hergeben.
Das heißt nicht, dass dein Erleben unwahr ist. Es heißt nur: Die Werte ordnen dein Körpergefühl ein, sie ersetzen es nicht und sie sind kein medizinisches Urteil. Wenn dich die körperliche Seite interessiert, helfen Erdungsübungen mit der natürlichen Erdfrequenz oft mehr als das Starren auf ein Diagramm.
Zusammengefasst
Der Kp-Index und die Schumann-Resonanz sind keine zwei Namen für dieselbe Sache. Der eine misst, wie der Sonnenwind das Erdmagnetfeld erschüttert, der andere misst ein elektromagnetisches Brummen, das Blitze im Hohlraum zwischen Erde und Ionosphäre erzeugen. Sie berühren sich über die Ionosphäre, aber sie bewegen sich oft unabhängig. Wenn du also beide Werte nebeneinander siehst, weißt du jetzt: Das sind zwei ehrliche Blicke auf denselben Himmel, aus zwei verschiedenen Stockwerken. Ein Widerspruch steckt darin nicht.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass du sehr fein auf solche Schwingungen reagierst, magst du vielleicht herausfinden, welcher Resonanz-Typ du bist. Das kostenlose Seelen-Typ-Quiz auf seelenname.de gibt dir dazu einen ruhigen, persönlichen Anhaltspunkt.
Quellen
Diese Arbeiten und Behördenseiten sind für den Text eigens aufgerufen und nachgelesen worden, im Volltext oder im Abstract. Wo im Artikel steht, dass etwas offen ist, heißt das: Dafür ließ sich keine belastbare Studie finden. Das gilt ausdrücklich für die Frage, ob eine bestimmte Schumann- oder Kp-Lage ein bestimmtes Symptom auslöst.
- GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung: Kp-Index, Einführung durch Julius Bartels 1949 und die Liste der 13 beitragenden Observatorien einschließlich Niemegk. kp.gfz.de
- NOAA Space Weather Prediction Center: Planetary K-index, Skala 0 bis 9, Ableitung aus dem Drei-Stunden-Fenster, Sturm ab 5. spaceweather.gov
- NOAA Space Weather Prediction Center: NOAA Space Weather Scales, Stufen G1 bis G5 mit den zugehörigen Kp-Werten und Auswirkungen. spaceweather.gov
- NOAA Space Weather Prediction Center: 3-Tage-Vorhersage, Kp-Prognose in Drei-Stunden-Blöcken. services.swpc.noaa.gov. Abgerufen am 29. August 2026, Lauf 00:30 UTC. Das Produkt wird alle zwölf Stunden überschrieben, die im Text genannten Beispielwerte stammen aus diesem Lauf.
- Schumann, W. O. (1952): Über die strahlungslosen Eigenschwingungen einer leitenden Kugel, die von einer Luftschicht und einer Ionosphärenhülle umgeben ist. Zeitschrift für Naturforschung A 7, 149 bis 154. DOI 10.1515/zna-1952-0202. Nicht frei abrufbar, im Text steht ihr deshalb kein Zahlenwert zu.
- Balser, M. & Wagner, C. A. (1960): Observations of Earth-Ionosphere Cavity Resonances. Nature 188, 638 bis 641. DOI 10.1038/188638a0. Ebenfalls nicht frei abrufbar, belegt ist daraus das Jahr.
- Simões, F., Pfaff, R., Berthelier, J.-J. & Klenzing, J. (2012): A Review of Low Frequency Electromagnetic Wave Phenomena Related to Tropospheric-Ionospheric Coupling Mechanisms. Space Science Reviews 168, 551 bis 593. DOI 10.1007/s11214-011-9854-0. Volltext gelesen über ntrs.nasa.gov
- Christian, H. J. et al. (2003): Global frequency and distribution of lightning as observed from space by the Optical Transient Detector. Journal of Geophysical Research: Atmospheres 108 (D1), 4005. DOI 10.1029/2002JD002347
- Sekiguchi, M., Hayakawa, M., Nickolaenko, A. P. & Hobara, Y. (2006): Evidence on a link between the intensity of Schumann resonance and global surface temperature. Annales Geophysicae 24, 1809 bis 1817. DOI 10.5194/angeo-24-1809-2006
- Pazos, M. et al. (2019): Analysis of the effects of geomagnetic storms in the Schumann Resonance station data in Mexico. Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics 193, 105091. DOI 10.1016/j.jastp.2019.105091. Abstract gelesen, Volltext hinter Bezahlschranke. Stichprobe: fünf 14-Tage-Fenster aus den Jahren 2015 bis 2017.
- Alabdulgader, A., McCraty, R., Atkinson, M., Dobyns, Y., Vainoras, A., Ragulskis, M. & Stolc, V. (2018): Long-Term Study of Heart Rate Variability Responses to Changes in the Solar and Geomagnetic Environment. Scientific Reports 8, 2663. DOI 10.1038/s41598-018-20932-x. Stichprobe: 16 Teilnehmerinnen, fünf Monate.
- Fdez-Arroyabe, P., Fornieles-Callejón, J., Santurtún, A., Szangolies, L. & Donner, R. V. (2020): Schumann resonance and cardiovascular hospital admission in the area of Granada, Spain: An event coincidence analysis approach. Science of the Total Environment 705, 135813. DOI 10.1016/j.scitotenv.2019.135813. Stichprobe: 7.755 Aufnahmen in einer Provinz, ein Jahr.