Was Wetterfühligkeit meint
Wetterfühlig ist, wer Beschwerden bemerkt, die zeitlich mit einem Wetterwechsel zusammenfallen. Typisch genannt werden Kopfschmerz, Migräneanfälle, Gelenk- und Narbenschmerz, Kreislaufbeschwerden, Müdigkeit, Reizbarkeit und unruhiger Schlaf.
Der Begriff beschreibt ein Erleben. Er benennt keine Krankheit und keinen nachgewiesenen Wirkweg. Beides gleichzeitig zu sagen ist möglich: Die Beschwerden sind echt, und die Ursachenkette ist offen.
Das amtliche Biowetter
In Deutschland gibt der Deutsche Wetterdienst täglich eine Biowetter-Vorhersage heraus, regional aufgeschlüsselt und kostenfrei abrufbar. Sie ordnet die erwartete Wetterlage ein und nennt, welche Beschwerdebilder erfahrungsgemäß häufiger berichtet werden.
Das ist Beobachtungswissen aus der Biometeorologie. Eine gemessene Auslösekette steckt nicht dahinter.
| Wetterlage | Was häufig berichtet wird |
|---|---|
| Durchzug einer Kaltfront | Kopfschmerz, Kreislaufbeschwerden |
| Warmfront und Luftdruckabfall | Müdigkeit, Gelenkschmerz, Narbenziehen |
| Föhn | Unruhe, Reizbarkeit, Ein- und Durchschlafprobleme |
| Schwüle | Kreislaufschwäche, Konzentrationsabfall |
| Stabile Hochdrucklage | wenig Beschwerden, oft als Erholungsphase erlebt |
Die Zuordnungen stammen aus Befragungen und aus den Hinweisen des Biowetters. Als Messreihe am einzelnen Menschen sind sie nicht zu verstehen.
Wie verbreitet sie ist
Zu der Frage, wie viele Menschen in Deutschland sich als wetterfühlig bezeichnen, kursieren mehrere Prozentzahlen aus verschiedenen Umfragen. Wir nennen hier keine einzelne, weil wir die Erhebungen nicht selbst nachrechnen können und die Zahlen stark davon abhängen, wie gefragt wurde.
Systematisch verglichen wurde das in einer Befragung in Deutschland und Kanada (von Mackensen, Höppe, Maarouf, Tourigny und Nowak, International Journal of Biometeorology 49, 156 bis 166, 2005, doi:10.1007/s00484-004-0226-2).
Wo die Belege dünn werden
Selbstauskünfte und gemessene Zusammenhänge gehen bei diesem Thema häufig auseinander. Das bekannteste Beispiel: Eine Auswertung von über elf Millionen US-Arztbesuchen fand keinen Zusammenhang zwischen Regentagen und Arztbesuchen wegen Gelenk- oder Rückenschmerzen (Jena et al., BMJ 2017;359:j5326, doi:10.1136/bmj.j5326).
Ein plausibler Grund dafür ist der Erinnerungseffekt: Schmerz an einem Regentag prägt sich ein, Schmerz an einem Sonnentag weniger. Das entwertet das Erleben nicht. Es erklärt, warum Tagebuchstudien oft schwächere Zusammenhänge finden als Befragungen.
Wetterfühligkeit und geomagnetische Sensitivität
Diese beiden Begriffe werden oft vermischt, sie meinen verschiedene Schichten:
- Wetterfühligkeit bezieht sich auf das Wetter in der Troposphäre, also auf Luftdruck, Temperatur, Feuchte und Fronten, in den unteren zehn bis fünfzehn Kilometern.
- Geomagnetische Sensitivität bezieht sich auf Störungen des Erdmagnetfelds, gemessen im KP-Index, mit Ursache in der Sonne.
Beide können am selben Tag auftreten, und beide werden ähnlich beschrieben. Auseinanderhalten hilft trotzdem, weil die Datenquellen verschieden sind. Die geomagnetischen Werte findest du auf /live-data/, das Biowetter beim Deutschen Wetterdienst.
Was im Alltag trägt
Nichts davon ist eine Behandlung, und nichts davon ersetzt eine ärztliche Abklärung bei neuen oder starken Beschwerden.
- Ein einfaches Tagebuch über vier Wochen, Beschwerde und Wetterlage nebeneinander. Danach weißt du mehr über dich als jede allgemeine Aussage.
- Trinken, Bewegung an der frischen Luft, feste Schlafzeiten. Klingt unspektakulär. Eine Erhebung, die das der Häufigkeit nach ordnet, führen wir hier nicht an, weil wir keine geöffnet haben.
- An belastenden Tagen weniger Termine legen, statt gegen den Tag anzuarbeiten.
Wie wir mit Belegen und Grenzen umgehen, steht auf /schumann-frequenz/.