Die Schumann-Resonanz ist eine Reihe extrem niederfrequenter (ELF) elektromagnetischer Wellen, die in dem Hohlraum zwischen der Erdoberfläche und der unteren Grenze der Ionosphäre resonieren. Die stärkste, Grundfrequenz liegt bei etwa 7,83 Hz. Blitzschläge rund um den Planeten wirken als natürliche Energiequelle, und der Hohlraum fungiert wie ein riesiger kugelförmiger Wellenleiter, der in dieser Frequenz und mehreren Obertönen darüber mitschwingt. Sie ist eines der grundlegendsten elektromagnetischen Merkmale unseres Planeten.
Ausführlich mit Quellen und Messreihen: was die Schumann-Frequenz ist.
Schumann-Resonanz (Definition): Eine Reihe globaler elektromagnetischer stehender Wellen im Erd-Ionosphären-Hohlraum mit einer Grundfrequenz von etwa 7,83 Hz und Obertönen bei rund 14, 20, 26 bis 27 und 32 bis 33 Hz, die durch weltweite Blitzaktivität aufrechterhalten wird.
So funktioniert es in drei Sätzen
- Blitzschläge rund um die Welt senden breitbandige elektromagnetische Energie aus. Wie viele es sind, ist vermessen worden. Satellitendaten ergeben im Mittel 44 plus/minus 5 Blitze pro Sekunde weltweit (Christian et al. 2003, Journal of Geophysical Research Atmospheres 108, 4005, DOI 10.1029/2002JD002347). Die populäre Zahl von 100 pro Sekunde geht auf eine Schätzung aus dem Jahr 1925 zurück und liegt bei mehr als dem Doppelten des gemessenen Werts.
- Der Großteil dieser Energie entweicht. Die sehr langen ELF-Wellen passen dagegen in den Hohlraum zwischen Erdboden und Ionosphäre, für sie wirkt die D-Schicht in 60 bis 90 Kilometern Höhe wie ein Deckel.
- Wellen, die der Resonanzgeometrie des Hohlraums entsprechen, überlagern sich konstruktiv und bilden stabile, messbare Peaks, die Schumann-Resonanzen (Price 2008, Sensors 8(1), 157-170).
Wer hat es entdeckt?
1952 sagte der deutsche Physiker Winfried Otto Schumann diese Resonanzen rechnerisch voraus (Schumann 1952, Zeitschrift für Naturforschung A 7, 149-154, DOI 10.1515/zna-1952-0202). Welche Zahl seine Arbeit im Einzelnen ergab, schreiben wir ihm hier nicht zu, der Volltext war für uns nicht abrufbar.
Die Messstation der Universität Tomsk zeichnet den weiteren Verlauf so nach: 1957 wies Schumann auf Gewitterentladungen als natürliche Quelle hin, 1959 veröffentlichte sein Student Herbert König erste experimentelle Daten zu einer Resonanzstruktur im natürlichen Rauschen, und 1960 bestätigten Balser und Wagner die Resonanzen. Bei deren Maxima widerspricht sich die Tomsker Darstellung selbst: Der Fließtext nennt 8, 14,1, 20,3, 26,4 und 32,5 Hz, die Tabelle auf derselben Seite nennt 7,8, 14,1, 20,3 und 26,4 Hz (Space Observing System, Tomsk State University, sos70.ru). Wir führen beide Varianten auf, weil die Abweichung genau die erste Mode betrifft, um die es in diesem Artikel geht. In der begutachteten Literatur gilt diese Messung als erste Beobachtung des Phänomens (Bór et al. 2020, History of Geo- and Space Sciences 11, 53-70, DOI 10.5194/hgss-11-53-2020). Bór nennt dabei nur Namen und Jahr, im Literaturverzeichnis dort löst sich der Verweis auf eine andere Arbeit der beiden auf (Journal of Research of the National Bureau of Standards 64D, 415-418, DOI 10.6028/jres.064d.050). Die viel zitierte Nature-Arbeit von 1960 führen wir unten getrennt auf, über Bór ist sie nicht gedeckt.
Die im Netz sehr verbreitete Jahreszahl 1954 für Königs Messung konnten wir hier an keiner abrufbaren Quelle bestätigen. Die einzige Quelle, die wir dazu selbst öffnen konnten, nennt 1959. Dass Nikola Tesla 1899 in Colorado Springs auf planetare elektrische Resonanz angespielt habe, ist eine schöne Erzählung, für die wir in diesem Durchgang ebenfalls keinen abrufbaren Beleg gefunden haben. Die vollständige Geschichte findest du in unserem Artikel zur Geschichte der Schumann-Resonanz-Entdeckung und ihrer Bedeutung.
Die Frequenzen, die du am häufigsten sehen wirst
| Mode | Frequenz (ca.) | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Fundamental | 7,83 Hz | Der berühmte „Herzschlag der Erde“-Wert |
| 2. Harmonische | 14 Hz | Oft auf Monitor-Diagrammen sichtbar |
| 3. Harmonische | 20 Hz | Niedrigere Amplitude als die Fundamentale |
| 4. Harmonische | 26 bis 27 Hz | Sensibel gegenüber ionosphärischen Veränderungen |
| 5. Harmonische | 32 bis 33 Hz | Oft im Hintergrund nicht mehr deutlich |
Diese Werte verschieben sich leicht je nach Tageszeit, Jahreszeit, Sonnenaktivität und geomagnetischen Stürmen. Es sind keine exakten Konstanten, und sie sind auch keine glatten Vielfachen, das Doppelte von 7,83 Hz wären 15,7 Hz.
Ein ehrlicher Hinweis zur Tabelle: Die genannten Werte sind die geläufigen Rundwerte, die gemessenen Mittelwerte einzelner Stationen weichen davon ab, besonders bei den höheren Moden. Die Station Tomsk stellt ihre eigene Reihe und die historischen Messungen nebeneinander. Balser und Wagner kamen 1960 auf 7,8 / 14,1 / 20,3 / 26,4 Hz, so die Tabelle der Station Tomsk, deren eigener Fließtext für dieselbe Messung 8 Hz statt 7,8 Hz nennt. Die Tomsker Reihe von 1997 bis 2023 liegt bei 7,75 / 14,17 / 20,23 / 25,88 Hz (Space Observing System, Tomsk State University, sos70.ru). Wer also irgendwo 26 Hz liest statt der verbreiteten 27,3 Hz, sieht keinen Fehler. Er sieht eine andere Station und eine andere Auswertung. Für einen tieferen Blick auf die höheren Moden schau dir unsere Erklärungen zur zweiten Harmonischen bei rund 14 Hz und zur dritten Harmonischen bei rund 20 Hz an.
Warum resoniert der Hohlraum bei 7,83 Hz?
Die Grundfrequenz hängt vom Umfang der Erde und der Lichtgeschwindigkeit ab. Eine Welle, die einmal um den Planeten wandert (etwa 40.000 km), braucht bei Lichtgeschwindigkeit grob 0,13 Sekunden, das entspricht einer Frequenz nahe 7,5 Hz.
Hier lohnt eine Genauigkeit, die in populären Texten fast immer fehlt. Die Station Tomsk gibt Schumanns Formel in vereinfachter Form an: Die Frequenz der n-ten Mode ist die Lichtgeschwindigkeit geteilt durch den Erdumfang, multipliziert mit der Wurzel aus n mal (n plus 1). Für die erste Mode kommen dabei 10,6 Hz heraus, deutlich mehr als die 7,5 der reinen Umfangsrechnung. Gemessen werden im planetaren Mittel etwa 7,8 Hz. Der reale Wert liegt also unter dem idealen, weil Schumann mit unendlich gut leitenden Kugeln gerechnet hat und die echte Ionosphäre alles andere als ein perfekter Spiegel ist. Die Station Tomsk formuliert das als feste Grenze: Die erste Resonanzfrequenz ist immer kleiner als 10,6 Hz, im planetaren Mittel sind es 7,8 Hz (Space Observing System, Tomsk State University, sos70.ru).
Dass die naive Umfangsrechnung mit 7,5 Hz so nahe am gemessenen Wert landet, ist ein hübscher Zufall zweier Effekte, die sich gegenseitig fast aufheben. Die Aussage dahinter bleibt aber richtig: 7,83 Hz ist keine Zauberzahl, die von Mystikern erfunden wurde. Es ist eine Folge der Größe des Planeten und der Beschaffenheit seiner Hülle.
Woher kommt die Energie?
Fast ausschließlich aus Blitzschlag. Tropische Gewitter über Südamerika, Zentralafrika und dem Inselbogen Südostasiens sind die drei dominanten „Blitz-Kamine“, die Energie in den Hohlraum pumpen. Dass die Blitzverteilung stark ungleichmäßig ist und sich an den äquatornahen Kontinenten ballt, mit dem Maximum über Äquatorialafrika, zeigen die Satellitenklimatologien der Blitzsensoren OTD und LIS (Himemoto & Taruya 2019, Physical Review D 100, 082001, DOI 10.1103/PhysRevD.100.082001).
Weil diese Zentren auf verschiedenen Längengraden liegen, wandert die Resonanz im Tagesrhythmus mit der Sonne. Wie das in echten Daten aussieht, hat eine japanische Messreihe über dreieinhalb Jahre am Standort Moshiri aufgeschlüsselt: Südostasien zeigt sich dort zwischen 07:00 und 10:00 UT, Afrika zwischen 14:00 und 15:00 UT und Amerika um Mitternacht UT (Sekiguchi et al. 2006, Annales Geophysicae 24, 1809-1817, DOI 10.5194/angeo-24-1809-2006). Die drei Kamine feuern also nacheinander, und welcher davon am hellsten erscheint, hängt auch davon ab, wo die Messstation steht. Dieses Muster untersuchen wir ausführlich in wie Gewitter die elektromagnetische Kavität der Erde aufladen.
Wie wird sie gemessen?
Es gibt zwei Familien von Instrumenten, und populäre Texte werfen sie gern durcheinander.
Die eine misst das elektrische Feld. Die Station der Universität Tomsk arbeitet mit einer fünf Meter hohen Stabantenne, filtert die 50-Hz-Netzfrequenz heraus, begrenzt das Band auf 40 Hz und wertet alle drei Minuten Spektren zwischen 6 und 32 Hz aus. Das Zeitfenster jeder Fourier-Analyse beträgt 50 Sekunden, die Frequenzauflösung 0,02 Hz. Bestimmt werden Frequenz, Amplitude und Güte der ersten vier Moden (Space Observing System, Tomsk State University, sos70.ru).
Die andere misst das magnetische Feld mit Induktionsspulen. Eine solche Spule hat zum Beispiel 40.000 Windungen auf einem Mumetallkern. Nötig ist dieser Aufwand, weil die Feldstärken der Schumann-Resonanzen bei Zehnteln eines Pikotesla liegen (Tatsis et al. 2015, Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics 135, 152-160, DOI 10.1016/j.jastp.2015.11.001).
Messstationen stehen deshalb an elektromagnetisch ruhigen Orten, weit entfernt von Stromleitungen, Motoren und Eisenbahnen. Öffentlich zugänglich sind unter anderem die Station der Tomsk State University (ihre alte Adresse sosrff.tsu.ru verweist inzwischen dorthin) und das Magnetometer-Netz der HeartMath Global Coherence Initiative. Eine ausführliche Übersicht findest du unter wissenschaftliche Instrumente zur Messung der Schumann-Resonanz. Mehr dazu, woher unsere Live-Daten stammen und wie verlässlich sie sind: Schumann-Daten, Quellen & Transparenz.
Ist es echte Wissenschaft oder Randbewegung?
Beides, je nachdem, was du fragst. Die Physik der Resonanz ist etabliert und unumstritten. Sie wird heute an vielen Observatorien rund um die Erde routinemäßig gemessen (Bór et al. 2020, History of Geo- and Space Sciences 11, 53-70, DOI 10.5194/hgss-11-53-2020).
Die biologischen und Bewusstseins-Ansprüche (dass die 7,83-Hz-Frequenz Hirnwellen synchronisiert, die Gesundheit reguliert oder Meditation verstärkt): Hier wird die Lage dünn, und wir sagen lieber genau, wie dünn.
Die belastbarste Arbeit am Menschen, die wir gefunden haben, ist eine randomisierte Doppelblindstudie mit 40 Teilnehmenden mit Schlafstörungen, 20 in jeder Gruppe, über vier Wochen, mit Schlaflabor und Fragebögen. In der Gerätegruppe verbesserten sich Einschlafzeit und Gesamtschlafzeit gegenüber dem eigenen Ausgangswert. Der entscheidende Vergleich zwischen Gerätegruppe und Placebogruppe wurde jedoch nicht signifikant (Huang et al. 2022, Nature and Science of Sleep 14, 1113-1124, DOI 10.2147/NSS.S346941). Hinzu kommt, dass das Gerät neben dem Bett eine Mischung aus 7,83 Hz sowie Theta- und Delta-Anteilen abgab. Geprüft wurde damit ein Gerät, das natürliche Feld der Erde blieb außen vor.
Es gibt daneben Laborarbeiten an Zellkulturen. An Herzmuskelzellen von Ratten veränderte ein Feld von 7,8 Hz und 90 Nanotesla die spontanen Kalziumsignale reversibel, und der Effekt trat nur im engen Bereich von 7,6 bis 8 Hz auf (Elhalel et al. 2019, Scientific Reports 9, 1645, DOI 10.1038/s41598-018-36341-z). Das ist ein interessanter Befund an Zellen in einer Schale. Ein Beleg für eine Wirkung auf den wachen Menschen im Alltag ist er nicht.
Kurz: Die Physik ist gesichert, die Wirkung auf den Menschen ist offen. Wir behandeln beide Seiten ehrlich in ist die Schumann-Resonanz wissenschaftlich bewiesen.
Warum Menschen sich dafür interessieren
- Geophysiker nutzen sie, um globale Blitzaktivität und ionosphärische Bedingungen zu überwachen.
- Weltraum-Wetter-Experten beobachten sie auf Signaturen von Sonnenstürmen.
- Neurowissenschaftler erforschen ihre Nachbarschaft zu Alpha-Hirnwellen-Zuständen und Theta-Zuständen. Nach dem Glossar der International Federation of Clinical Neurophysiology reicht Theta von 4 bis unter 8 Hz und Alpha von 8 bis 13 Hz (Kane et al. 2017, Clinical Neurophysiology Practice 2, 170-185, DOI 10.1016/j.cnp.2017.07.002). 7,83 Hz liegt damit am oberen Rand von Theta, knapp unter der Alpha-Grenze.
- Meditierende und Biohacker nutzen sie als poetverankerte Referenz für Erdung, Atemarbeit und Klangtherapie.
Drei Analogien, die 7,83 Hz zum Klicken bringen
Verschiedene mentale Bilder helfen verschiedenen Lesern. Hier sind drei, die konsistent wirken.
Analogie 1: Die Welle im Schwimmbecken
Stell dir ein langes rechteckiges Schwimmbecken vor. Wenn du das Wasser am einen Ende aufspritzen lässt, wandert die Störung zum anderen Ende, prallt ab und kommt zurück. Bei ausreichend rhythmischen Spritzern im richtigen Tempo kannst du eine stehende Welle aufbauen, die das ganze Becken mit einer konstanten Rate hin und her schwappen lässt. Die Länge des Beckens setzt diese Rate fest; die Spritzer halten sie nur in Gang.
Die Erd-Ionosphären-Kavität ist ein viel größerer und seltsamerer Pool, aber das Prinzip ist dasselbe. Blitzschläge sind die Spritzer. Die „Länge“ des Pools ist der Umfang des Planeten. Die stehende Welle, die sich aufbaut (diejenige, deren Rhythmus der Geometrie der Kavität entspricht), liegt bei 7,83 Hz.
Analogie 2: Die Gitarrensaite
Zupf eine Gitarrensaite und sie schwingt nicht mit einer willkürlichen Frequenz. Sie erklingt in einem bestimmten Ton, plus leiseren Obertönen darüber. Die Länge der Saite, die Spannung und das Material setzen diese Töne fest; du kannst sie nicht dazu bringen, etwas anderes zu singen.
Die Schumann-Grundfrequenz und ihre Harmonischen (7,83 Hz sowie rund 14, 20, 26 bis 27 und 32 bis 33 Hz) sind die Obertonreihe des Planeten. Der Umfang der Erde ist die „Saitenlänge“, die Lichtgeschwindigkeit ist die „Spannung“, und die leitende Ionosphäre ist der „Stimmwirbel“. Zupf die Kavität mit einem Blitzschlag und das sind die Töne, die erklingen.
Analogie 3: Kathedralakustik
Betrittst du eine Steinkathedrale und klatschst einmal. Der Klaps verschwindet nicht einfach; er hallt nach, klingt und verblasst langsam über mehrere Sekunden. Gehe noch weiter ins Kirchenschiff und klatsche wieder. Die Kathedrale hat Lieblingsfrequenzen, die sie verstärkt, und andere, die sie dämpft. Architekten nennen das Raumresonanz.
Die Erde hat Kathedralakustik im planetaren Maßstab. Die „Decke“ ist die untere Ionosphäre, für die Schumann-Wellen die D-Schicht in 60 bis 90 Kilometern Höhe. Der „Boden“ ist die Erdoberfläche. Die „Klapser“ sind Blitzschläge. Der Lieblingston der Kathedrale, derjenige, den sie am deutlichsten zum Klingen bringt, ist 7,83 Hz.
Ein Bild in Worten
Wenn du gerade kein Diagramm sehen kannst, so sieht eine klassische Schumann-Illustration aus, beschrieben für alle Leser und Nutzer von Bildschirmlesegeräten:
Ein Querschnitt der Erde zeigt eine dünne Kugelschale, die den Planeten umhüllt und als „Ionosphäre“ bezeichnet ist, einige Dutzend Kilometer über der Oberfläche. Zwischen der Oberfläche und der Ionosphäre schlingt sich eine sanfte Sinuswelle rund um den Globus und kehrt zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Ein Gewittersymbol über Zentralafrika sendet einen kleinen Blitz aus; Pfeile verfolgen die elektromagnetische Energie des Schlags in beide Richtungen, bis sie sich auf der gegenüberliegenden Seite des Planeten wiedertreffen. Eine kleine Infobox zeigt ein Diagramm mit fünf horizontalen Bändern bei 7,83 Hz sowie rund 14, 20, 26 bis 27 und 32 bis 33 Hz, das unterste Band leuchtet am hellsten.
Das ist das ganze Bild. Ein Hohlraum, eine Quelle und eine stehende Welle.
Eine Mini-Geschichte der Entdeckung
Die Geschichte der Schumann-Resonanz ist ein stilles Jahrhundert-Arc.
- 1899, Tesla in Colorado Springs. Diese Station der Geschichte wird oft erzählt: Tesla habe bei seinen Hochspannungsversuchen eine planetare elektrische Resonanz geahnt. Wir führen sie hier ohne Beleg auf, weil wir in diesem Durchgang keine abrufbare Quelle dafür gefunden haben. Behandle sie als Anekdote.
- 1952, Schumann rechnet. Der deutsche Physiker Winfried Otto Schumann berechnete die Eigenfrequenzen des Hohlraums zwischen Erde und Ionosphäre und veröffentlichte das Ergebnis in der Zeitschrift für Naturforschung A (DOI 10.1515/zna-1952-0202). Es gab noch keine Messungen, nur Mathematik.
- 1957, die Quelle wird benannt. Schumann weist auf Gewitterentladungen als natürliche Anregung der Schwingung hin (Space Observing System, Tomsk State University, sos70.ru).
- 1959, König misst. Schumanns Student Herbert König veröffentlicht erste experimentelle Daten zu einer Resonanzstruktur im natürlichen elektromagnetischen Rauschen. Die im Netz kursierende Jahreszahl 1954 konnten wir nicht bestätigen, die Station Tomsk nennt 1959.
- 1960, Balser und Wagner. Sie finden Resonanzmaxima bei rund 7,8, 14,1, 20,3 und 26,4 Hz. Die Station Tomsk nennt dieselbe Messung an anderer Stelle mit 8 statt 7,8 Hz und führt zusätzlich 32,5 Hz auf. In der Fachliteratur gilt diese Messung als die erste Beobachtung des Phänomens (Bór et al. 2020, DOI 10.5194/hgss-11-53-2020).
- 1997 bis heute, lange Reihen. In Tomsk läuft seit März 1997 eine durchgehende Messreihe, aus der sich Tages- und Jahresgänge der Resonanzfrequenzen herauslesen lassen. Schumann-Beobachtungen sind ein Standardwerkzeug der Atmosphären- und Weltraumwetterforschung geworden.
- Moderne Ära. Öffentliche Darstellungen der Tomsk State University, des HeartMath-GCI-Netzwerks, der polnischen Hylaty-Station und anderer ermöglichen es jedem mit Internetverbindung, den elektromagnetischen Puls des Planeten mitzuverfolgen.
Für mehr Details siehe unsere Geschichte der Schumann-Resonanz-Entdeckung und wissenschaftliche Instrumente, die zur Messung der Schumann-Resonanz verwendet werden.
Glossar
Eine kurze Referenz für die Begriffe, die in der populären Schumann-Berichterstattung am häufigsten verwechselt werden.
- Cavity (Hohlraum). Die Schicht zwischen der Erdoberfläche und der unteren Ionosphäre, in der sich ELF-Wellen ausbreiten können, ohne ins Weltall zu entweichen. Die Ionosphäre reicht von rund 60 bis etwa 1000 Kilometern hinauf, für die sehr langen Schumann-Wellen wirkt die D-Schicht in 60 bis 90 Kilometern Höhe wie der Deckel.
- ELF (Extremely Low Frequency). Der Begriff wird unterschiedlich weit gefasst, und das stiftet beim Querlesen die meiste Verwirrung. In der Bandnomenklatur der Internationalen Fernmeldeunion steht ELF für das Band Nummer 0 von 0,3 bis 3 Hz (ITU-R V.431-8, Tabelle 2). In der Atmosphärenphysik meint derselbe Begriff einen viel größeren Bereich, Fachartikel schreiben je nach Schule 3 bis 300 Hz oder 3 Hz bis 3 kHz. Die Schumann-Grundfrequenz von 7,83 Hz liegt oberhalb des schmalen ITU-Bandes und fällt in die weite Lesart der Atmosphärenphysik, in der auch dieser Artikel den Begriff verwendet.
- Fundamental (Grundfrequenz). Die niedrigste Resonanzfrequenz eines Systems. Für den Erde-Ionosphären-Hohlraum beträgt sie 7,83 Hz.
- Harmonic (Oberton/Harmonische). Eine Frequenz, die ein ganzzahliges Vielfaches der Grundfrequenz ist, oder im Fall von Schumann eine höhere Resonanzmode des Hohlraums. Die angegebenen Werte (rund 14, 20, 26 bis 27 und 32 bis 33 Hz) sind diese höheren Modi.
- Standing wave (stehende Welle). Eine Welle, deren Muster räumlich fixiert ist, anstatt sich auszubreiten. Das ist das, was entsteht, wenn ein Hohlraum „klingt“.
- Picotesla (pT). Eine Einheit der Magnetfeldstärke. Das Schumann-Feld an der Oberfläche liegt bei Zehnteln eines Pikotesla (Tatsis et al. 2015, DOI 10.1016/j.jastp.2015.11.001), also millionenfach schwächer als das Feld an deiner Hausinstallation. Für die farbigen Kurven der Station Tomsk gilt übrigens: Deren Amplitudenachse trägt keine Einheit und ist kein Pikotesla-Wert.
- Spectrogram (Spektrogramm). Ein Diagramm, das zeigt, wie sich die Stärke verschiedener Frequenzen über die Zeit verändert. Die Standardmethode zur Visualisierung von Schumann-Daten.
Eine hilfreiche Schlussanalogie
Stell dir eine Glaskuppel vor, die mit Luft gefüllt ist. Tippst du gegen die Seite der Kuppel, schwingt die Luft innen kurz bei einer bestimmten Tonhöhe nach, eine Resonanz. Die Erde-Ionosphäre-Höhle ist die Kuppel, Blitze sind die Tipps, und 7,83 Hz ist die Tonhöhe. Anders als die Glaskuppel wird die Höhle jedoch rund vierundvierzig Mal pro Sekunde angetippt (überall auf dem Planeten, ständig, den ganzen Tag lang), sodass das Nachklingen nie wirklich aufhört.
Häufig gestellte Fragen
Verändert sich die Schumann-Resonanz oder „spikt“ sie? Der fundamentale Peak ist bemerkenswert stabil, aber die tägliche und stündliche Amplitude variiert erheblich. Scheinbare „Spitzen“ auf Farbdiagrammen spiegeln meist Amplitudenveränderungen wider, keine fundamentale Frequenzverschiebung. Siehe dazu unseren Erklärtext zu Schumann-Resonanz-Spitzen und was sie für dein Energielevel bedeuten.
Können Menschen die Schumann-Resonanz hören? Nein. 7,83 Hz liegt weit unter dem menschlichen Hörbereich (20 Hz bis 20 kHz). Wenn du sie auf YouTube hörst, wurde die Frequenz erhöht oder mit hörbaren Tönen kombiniert.
Beeinflusst die Schumann-Resonanz Wi-Fi oder Handys? Nein. Wi-Fi und Mobilfunksignale arbeiten im Gigahertz-Bereich, milliarden Mal höher in der Frequenz als die Schumann-Resonanz.
Wo kann ich die heutige Schumann-Resonanz sehen? Diagramme von Tomsk und HeartMath werden vielfach geteilt. Die Tomsker Daten sind seit 2025 unter der neuen Adresse sos70.ru zu finden, die alte Adresse sosrff.tsu.ru verweist dorthin, führt daneben aber weiterhin eigene Inhalte. Wir verlinken auch auf die aktuellsten Messwerte auf unserem Live-Dashboard und besprechen die aktuelle Schumann-Resonanz-Frequenz heute.
Ist 7,83 Hz dasselbe wie die Alpha-Frequenz des Gehirns? Nein, die Zahlen liegen nur benachbart. Nach dem Glossar der International Federation of Clinical Neurophysiology reicht Theta von 4 bis unter 8 Hz und Alpha von 8 bis 13 Hz (Kane et al. 2017, DOI 10.1016/j.cnp.2017.07.002). 7,83 Hz fällt damit knapp ins obere Theta-Band, dicht an der Alpha-Grenze. Das Glossar zieht ausschließlich Frequenzgrenzen und ordnet den Bändern keine seelischen Zustände zu. Wir vergleichen sie sorgfältig in Schumann-Resonanz vs. Hirnwellen.
War die Schumann-Resonanz schon immer 7,83 Hz? Der langjährige Mittelwert bewegt sich kaum auf geologischen Zeitskalen, da die Größe der Erde ihn bestimmt. Im Alltag schwankt aber beides. Am deutlichsten fällt die Amplitude auf, und auch die Frequenz selbst wandert im Tages- und Jahresgang um einige Zehntel Hertz. Die Station Tomsk beschreibt solche Tages- und Jahresgänge der Frequenz für alle vier von ihr ausgewerteten Moden (Space Observing System, Tomsk State University, sos70.ru).
Warum gibt es Obertöne und was bedeuten sie? Hohlräume schwingen nicht nur auf einer Note. Wie eine Gitarrensaite oder ein Kathedralenschiff unterstützt der Erde-Ionosphären-Hohlraum eine Serie von höheren Moden: bei ungefähr 14, 20, 26 bis 27 und 32 bis 33 Hz. Sie spiegeln die gleiche zugrundeliegende Geometrie wider, nur mit kürzeren Wellenlängen, die mehr Zyklen um den Planeten passen. Höhere Moden sind tendenziell empfindlicher gegenüber der Ionosphärenhöhe, weshalb Wissenschaftler sie verfolgen.
Ist die Schumann-Resonanz dasselbe wie das Magnetfeld der Erde? Nein. Das Hauptmagnetfeld der Erde ist ein statisches (sehr langsam veränderliches) Feld, das durch Bewegungen im flüssigen äußeren Erdkern erzeugt wird. Die Schumann-Resonanz ist eine winzige oszillierende elektromagnetische Signatur im Hohlraum, angetrieben durch Blitzschläge. Sie teilen sich denselben Planeten, aber leben in völlig verschiedenen physikalischen Nachbarschaften.
Hat Tesla die Schumann-Resonanz entdeckt? Nicht im modernen technischen Sinne. Die Rechnung gehört zu Schumann (1952), die ersten veröffentlichten experimentellen Daten zu König (1959) und die erste Beobachtung, die in der Fachliteratur als solche geführt wird, zu Balser und Wagner (1960). Für Teslas angebliche Vorwegnahme haben wir bei dieser Recherche keine abrufbare Quelle gefunden. Es „Teslas Frequenz“ zu nennen ist romantisch, historisch aber nicht gedeckt. Der tiefere Kontext liegt in ist die Schumann-Resonanz wissenschaftlich bewiesen.
Quellen
Im Text zitiert. Wo eine Arbeit nicht frei zugänglich war, steht das beim Eintrag:
- Schumann, W.O. (1952): Über die strahlungslosen Eigenschwingungen einer leitenden Kugel, die von einer Luftschicht und einer Ionosphärenhülle umgeben ist. Zeitschrift für Naturforschung A 7, 149-154. DOI 10.1515/zna-1952-0202. Der Volltext war für uns nicht abrufbar, geprüft haben wir nur die bibliografischen Angaben. Belegt ist daraus hier allein das Jahr der rechnerischen Vorhersage, kein Zahlenwert.
- Balser, M. & Wagner, C.A. (1960): Observations of Earth-Ionosphere Cavity Resonances. Nature 188, 638-641. DOI 10.1038/188638a0. Volltext nicht frei zugänglich. Belegt ist daraus hier allein das Jahr der ersten veröffentlichten Messung. Dass Balser und Wagner 1960 als Erstbeobachter gelten, entnehmen wir Bór et al. 2020. Bór stützt allerdings nur Namen und Jahr, sein Literaturverzeichnis verweist auf die Arbeit derselben Autoren im Journal of Research of the National Bureau of Standards 64D, 415-418, DOI 10.6028/jres.064d.050. Die Zuordnung gilt hier also den Personen und dem Jahr; welche der beiden Veröffentlichungen gemeint ist, bleibt offen.
- Bór, J. et al. (2020): Measurements of atmospheric electricity in the Széchenyi István Geophysical Observatory, Hungary. History of Geo- and Space Sciences 11, 53-70. DOI 10.5194/hgss-11-53-2020. Trägt hier die Zuordnung der Erstbeobachtung zu Balser und Wagner im Jahr 1960, ohne eine bestimmte Veröffentlichung der beiden zu stützen, und die Feststellung, dass die Schumann-Resonanz heute an vielen Observatorien routinemäßig gemessen wird.
- Space Observing System, Tomsk State University: sos70.ru, Seiten Kurze Forschungsgeschichte, Messmethodik des ELF-Rauschens und Saison- und Tagesvariationen, abgerufen am 29.08.2026. Trägt hier die Jahreszahlen 1957 und 1959, die Messwerttabelle der Moden, den Vergleich zwischen Schumanns Idealformel (10,6 Hz) und der Messung (7,8 Hz) sowie die Beschreibung der Messanordnung. Die frühere Adresse sosrff.tsu.ru verweist seit 2025 hierher.
- Price, C. (2008): Lightning Sensors for Observing, Tracking and Nowcasting Severe Weather. Sensors 8(1), 157-170. Trägt hier den Mechanismus der konstruktiven Überlagerung und den Zusammenhang zwischen Erdumfang und Modenlage.
- Christian, H.J. et al. (2003): Global frequency and distribution of lightning as observed from space by the Optical Transient Detector. Journal of Geophysical Research Atmospheres 108, 4005. DOI 10.1029/2002JD002347. Trägt die Blitzrate von 44 plus/minus 5 pro Sekunde. Die Vorläuferarbeit desselben Teams von 1999 hält ausdrücklich fest, dass die oft zitierten 100 pro Sekunde aus dem Jahr 1925 mehr als das Doppelte des gemessenen Werts sind.
- Himemoto, Y. & Taruya, A. (2019): Correlated magnetic noise from anisotropic lightning sources and the detection of stochastic gravitational waves. Physical Review D 100, 082001. DOI 10.1103/PhysRevD.100.082001. Trägt hier nur die ungleichmäßige, äquatornahe Verteilung der Blitzaktivität mit dem Maximum über Äquatorialafrika, ausgewertet aus den Satellitensensoren OTD und LIS.
- Sekiguchi, M., Hayakawa, M., Nickolaenko, A.P. & Hobara, Y. (2006): Evidence on a link between the intensity of Schumann resonance and global surface temperature. Annales Geophysicae 24, 1809-1817. DOI 10.5194/angeo-24-1809-2006. Messreihe von November 1998 bis Mai 2002 an einer einzelnen Station (Moshiri, Japan). Trägt hier die Uhrzeiten der drei Gewitterzentren. Diese Uhrzeiten gelten für diesen Standort.
- Tatsis, G. et al. (2015): A prototype data acquisition and processing system for Schumann resonance measurements. Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics 135, 152-160. DOI 10.1016/j.jastp.2015.11.001. Gelesen haben wir die frei zugängliche Fassung unter arXiv:1707.03573. Trägt hier die Feldstärke von Zehnteln eines Pikotesla und die Bauart der Induktionsspule.
- Kane, N. et al. (2017): A revised glossary of terms most commonly used by clinical electroencephalographers and updated proposal for the report format of the EEG findings. Revision 2017. Clinical Neurophysiology Practice 2, 170-185. DOI 10.1016/j.cnp.2017.07.002. Trägt die Bandgrenzen Theta 4 bis unter 8 Hz und Alpha 8 bis 13 Hz.
- ITU-R V.431-8 (2015): Nomenclature of the frequency and wavelength bands used in telecommunications, Tabelle 2. Trägt die Bandbezeichnung ELF für das Band Nummer 0 von 0,3 bis 3 Hz.
- Huang, Y.S. et al. (2022): The Subjective and Objective Improvement of Non-Invasive Treatment of Schumann Resonance in Insomnia. A Randomized and Double-Blinded Study. Nature and Science of Sleep 14, 1113-1124. DOI 10.2147/NSS.S346941. 40 Teilnehmende, 20 je Gruppe. Zu dieser Arbeit gibt es ein Corrigendum, das ausschließlich die Schreibweise eines Autorennamens berichtigt.
- HeartMath Institute, Global Coherence Monitoring System: heartmath.org/gci/gcms, abgerufen am 29.08.2026. Trägt hier allein, dass dieses Magnetometer-Netz existiert und wo seine Sensoren stehen. Die dort ebenfalls veröffentlichten Hypothesen zum kollektiven Bewusstsein sind Hypothesen der Organisation und keine Befunde.
- Elhalel, G., Price, C., Fixler, D. & Shainberg, A. (2019): Cardioprotection from stress conditions by weak magnetic fields in the Schumann Resonance band. Scientific Reports 9, 1645. DOI 10.1038/s41598-018-36341-z. Zellkulturen aus Rattenherzmuskel, kein Versuch am Menschen.
Und die Lücken, die dieser Artikel nicht schließen kann: Für Nikola Teslas angebliche Vorwegnahme der Schumann-Resonanz im Jahr 1899 haben wir keine abrufbare Quelle gefunden. Für die verbreitete Jahreszahl 1954 zu Herbert Königs Messung ebenso wenig. Und für die Behauptung, 7,83 Hz synchronisiere die Hirnwellen oder reguliere die Gesundheit, gibt es bisher keine belastbaren Studien am Menschen. Was es gibt, ist im Text benannt und klein.