Was am 1. September 1859 geschah
Richard Carrington beobachtete an diesem Morgen Sonnenflecken und sah plötzlich zwei helle Lichtpunkte aufflammen, die innerhalb von Minuten wieder verschwanden. Richard Hodgson sah dasselbe unabhängig von ihm. Carrington veröffentlichte seine Notiz in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society (Band 20, 13 bis 15, doi:10.1093/mnras/20.1.13). Hodgsons Bericht erschien im selben Band als eigene Notiz.
Das war die erste Beobachtung eines Sonnenflares im sichtbaren Licht überhaupt. Die Magnetometer in England reagierten fast im selben Moment, denn Licht und Röntgenstrahlung brauchen nur gut acht Minuten.
Warum die 17 Stunden bemerkenswert sind
Der große geomagnetische Sturm begann rund 17,6 Stunden nach der Eruption (Tsurutani et al., Journal of Geophysical Research 2003, doi:10.1029/2002JA009504). Das ist ungewöhnlich schnell. Ein koronaler Massenauswurf braucht normalerweise ein bis drei Tage bis zur Erde.
Die gängige Erklärung: Eine frühere Eruption hatte den Weg bereits freigeräumt, sodass die zweite Wolke kaum abgebremst wurde.
Wie stark war es
| Größe | Einordnung |
|---|---|
| Beobachtete Polarlichter | bis in die Karibik und nach Hawaii gemeldet |
| Technische Folgen | Telegrafenausfälle, Funkenbildung an Leitungen, Betrieb teils ohne Batterie möglich |
| Geschätzte Sturmstärke | aus der Aufzeichnung von Colaba bei Bombay auf etwa minus 1.760 nT geschätzt, spätere Arbeiten kamen auf deutlich kleinere Beträge |
| KP-Index | lässt sich nicht angeben, die Skala entstand erst in den 1940er Jahren |
Die dritte Zeile ist wichtig. Es gibt keine Zahl für 1859, auf die sich alle einigen. Wer eine einzelne Zahl nennt, nennt eine Schätzung.
Wie wahrscheinlich ist eine Wiederholung
Auch hier gehen die Angaben auseinander, und das ist selbst das Ergebnis:
- Pete Riley schätzte 2012 die Wahrscheinlichkeit eines Carrington-artigen Ereignisses auf rund 12 Prozent pro Jahrzehnt (Space Weather, doi:10.1029/2011SW000734)
- Riley und Love kamen 2017 mit anderem Ansatz auf deutlich kleinere Werte (Space Weather, doi:10.1002/2016SW001470)
- Am 23. Juli 2012 verfehlte ein Auswurf vergleichbarer Stärke die Erde. Er wurde von der Sonde STEREO-A gemessen (Baker et al., Space Weather 2013, doi:10.1002/swe.20097)
- In Baumringen steckt für die Jahre 774 und 775 ein Kohlenstoff-14-Sprung, der auf ein noch größeres Teilchenereignis hindeutet (Miyake et al., Nature 2012, doi:10.1038/nature11123)
Was heute anders wäre
1859 gab es Telegrafen. Heute hängen Stromnetze, Satellitennavigation, Funkverkehr und Flugrouten über die Pole daran. Der Blackout in Québec am 13. März 1989 zeigte im Kleinen, wie das aussieht: Ein deutlich schwächerer Sturm legte das Netz für rund neun Stunden lahm.
Die Schadensschätzungen für ein Carrington-Ereignis heute reichen von einigen hundert Milliarden bis in den Billionenbereich. Solche Zahlen beruhen auf Annahmen über Reparaturzeiten und Ersatzteile, deshalb streuen sie so weit.
Was du davon im Alltag siehst
Nichts von dieser Größenordnung. Was du sehen kannst, sind die kleinen Verwandten: erhöhte Werte im KP-Index, breitere Bänder im Spektrogramm, Polarlichter weiter südlich als üblich. Die aktuellen Werte stehen auf /live-data/, die Einordnung auf /schumann-frequenz/.