Was Sferics sind
„Sferics” ist die Kurzform von atmospherics, auf Deutsch atmosphärische Impulsstrahlung. Gemeint ist der elektromagnetische Knall, den jeder Blitz aussendet. Er dauert Millisekunden und enthält Anteile über ein sehr breites Frequenzband, von wenigen Hertz bis hinauf in den Kilohertz-Bereich.
Im Radio hörst du das als Knacken und Prasseln bei Gewitter. Physikalisch ist es dasselbe Signal, das rund um den Globus läuft und den Resonanzraum der Erde in Schwingung hält.
Woher sie kommen
Blitze sind kein seltenes Ereignis. Die Satellitenmessungen des Optical Transient Detector ergaben eine weltweite Rate von rund 44 Blitzen pro Sekunde (Christian et al., Journal of Geophysical Research 2003, doi:10.1029/2002JD002347). Die drei großen Gewitterzentren liegen über Zentralafrika, dem Amazonasbecken und Südostasien.
Jeder einzelne dieser Blitze speist Energie in den Hohlraum zwischen Erdoberfläche und Ionosphäre.
Sferics und Schumann-Resonanz
Der Zusammenhang lässt sich als Bild fassen: Sferics sind der Anschlag, die Schumann-Resonanz ist der Ton, der danach stehen bleibt. Ohne Blitze gäbe es nichts, was den Resonator anregt, und die 7,83 Hz wären nicht messbar.
Deshalb folgt die Stärke des Signals der globalen Gewittertätigkeit, mit einem Tagesgang und einem Jahresgang. Im Spektrogramm siehst du davon die stehenden Linien, die einzelnen Impulse verschwinden in der Mittelung.
Die Begriffe auseinanderhalten
| Begriff | Frequenzbereich | Woran man es erkennt |
|---|---|---|
| Sferics | wenige Hz bis rund 30 kHz | Knacken im Radio bei Gewitter |
| Tweeks | um 2 kHz | kurzes absteigendes Zirpen, meist nachts |
| Whistler | rund 1 bis 10 kHz | langgezogenes Pfeifen, das Signal lief am Magnetfeld entlang |
| Schumann-Resonanz | 7,83 Hz und die Harmonischen | waagerechte Linien im Spektrogramm |
Was zur Wirkung auf Menschen belegt ist
Hier hört die Sicherheit auf. Eine Arbeitsgruppe der Universität Gießen hat das Thema in den 1990er Jahren untersucht und dabei Sferics künstlich erzeugt:
- Stark, Schienle, Klöpper und Vaitl prüften die Wirkung auf die Reaktionszeit (Perceptual and Motor Skills 86, 808 bis 810, 1998, doi:10.2466/pms.1998.86.3.808)
- Vaitl, Propson, Stark, Walter und Schienle untersuchten Kopfschmerzpatientinnen und Kopfschmerzpatienten (Headache 41, 845 bis 853, 2001, doi:10.1046/j.1526-4610.2001.01155.x)
Das sind kleine Stichproben aus einem einzigen Labor, und eine große unabhängige Wiederholung fehlt bis heute. Ein bewusstes Wahrnehmen von Sferics hat niemand gezeigt. Wer dir sagt, Sferics seien als Auslöser von Beschwerden bewiesen, geht über die Datenlage hinaus. Wer sagt, das Thema sei erledigt, ebenso.
Warum die Suche nach „Sferics” auch zu Shops führt
Ein Teil der Treffer führt zu Anbietern, die das Wort als Markennamen für Kopfhörer und Empfänger nutzen. Das ist erlaubt und sagt nichts über die Physik. Achte beim Lesen darauf, ob eine Seite dir etwas erklärt oder etwas verkauft.
Was du selbst beobachten kannst
Stell ein Radio auf Mittelwelle und dreh in eine leere Stelle zwischen den Sendern. Bei einem Gewitter, auch bei einem fernen, hörst du die Sferics direkt. Auf /live-data/ siehst du dieselbe Energie in der gemittelten Form, als Bänder im Spektrogramm. Die Einordnung, was daran belegt ist, steht auf /schumann-frequenz/.