Das Summen des Universums ist nicht still. Es vibriert durch jedes Atom unseres Seins, durch die Luft, die wir atmen, und durch den Boden unter unseren Füßen. Seit Jahrtausenden sprechen alte Traditionen von einer fundamentalen Lebenskraft, einer allgegenwärtigen Energie, die alles verbindet. Die moderne Wissenschaft, mit ihren immer feiner werdenden Instrumenten, kann den eigenen Rhythmus der Erde heute genau messen. Ob er bis in unser Bewusstsein hineinreicht, gehört zu den offenen Fragen, und genau an dieser offenen Stelle wird es interessant. Im Herzen dieser Symphonie liegt ein Phänomen, das als Schumann-Resonanz bekannt ist. Um sie herum treffen sich drei Welten: die Physik, die Spiritualität und die Erfahrung tiefer Meditation. Dieser Text hält sie sauber auseinander und bringt sie trotzdem zusammen.
Der Herzschlag der Erde: Die Schumann-Resonanz verstehen
Stell dir unseren Planeten als eine kosmische Glocke vor, die ständig läutet und einen Grundton ausstrahlt. Das ist im Grunde die Schumann-Resonanz. Der deutsche Physiker Winfried Otto Schumann sagte sie 1952 rechnerisch voraus und kam für einen verlustfreien Hohlraum auf einen höheren Wert von rund 10,6 Hz (Liu et al. 2023, DOI 10.3390/rs15143557). Die bekannten 7,83 Hz stammen aus den ersten Messungen ab 1960, veröffentlicht von Balser und Wagner in Nature. Wie sich der Gedanke entwickelt hat und wie die Fachwelt ihn aufnahm, zeichnet eine historische Übersicht nach (Besser 2007). Gemeint ist eine Reihe natürlicher elektromagnetischer Resonanzen in dem Hohlraum, den die Erdoberfläche und die Ionosphäre bilden. Für die sehr langen Schumann-Wellen wirkt der untere Rand der Ionosphäre wie ein Deckel in rund 60 bis 90 Kilometern Höhe. Die Ionosphäre als ganze Schicht reicht bis etwa 1000 Kilometer über uns.
Ausführlich mit Quellen und Messreihen: was die Schumann-Frequenz ist.
Die Physik des natürlichen Rhythmus der Erde
Weltweit zucken rund 44 Blitze pro Sekunde über den Planeten, gemessen vom Satelliteninstrument Optical Transient Detector (Christian et al. 2003). Das sind etwa 1,4 Milliarden im Jahr, und sie alle wirken als natürliche Generatoren dieser elektromagnetischen Wellen. Diese Wellen prallen dann ab und reflektieren sich innerhalb des Erd-Ionosphären-Hohlraums, ähnlich wie Schallwellen, die in einem geschlossenen Raum widerhallen. Wenn der Erdumfang ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge beträgt, wenn die Welle also einmal, zweimal oder dreimal genau um den Globus passt, überlagert sie sich mit sich selbst und verstärkt sich. Genau das beobachten wir als Schumann-Resonanz. Die längste passende Welle umspannt die Erde einmal und ergibt die Grundfrequenz.
- Grundfrequenz: Die primäre und prominenteste Frequenz der Schumann-Resonanz liegt bei etwa 7,83 Hertz (Hz). Sie wird oft als der Herzschlag oder die „Hirnwelle“ der Erde bezeichnet.
- Höhere Moden: Neben der Grundfrequenz gibt es weitere Moden bei rund 14, 20, 26 bis 27 und 32 bis 33 Hz, die mit jeder Stufe schwächer werden. Eine kanonische Tabelle gibt es hier nicht: drei Stationen liefern drei leicht verschiedene Reihen, und die Moden wandern im Tages- und Jahresgang. Glatte Vielfache der Grundfrequenz sind sie dabei nicht. Das Doppelte von 7,83 Hz wären 15,7 Hz, gemessen wird die zweite Mode bei rund 14 Hz. Dafür wirken zwei Gründe zusammen. Auf einer Kugel liegen die Stufen von vornherein neben den glatten Vielfachen, und der Hohlraum zwischen Erde und Ionosphäre ist keine ideale Glocke. Er verliert Energie nach oben, und das drückt die Moden zusätzlich nach unten. Gerade diese Abweichung von der glatten Rechnung macht die Reihe interessanter, als es der Vergleich mit Obertönen vermuten lässt.
- Schwankungen: Während die 7,83 Hz ein stabiler Durchschnitt sind, ist die Schumann-Resonanz nicht statisch. Vor allem die Stärke des Signals schwankt, im Lauf von Tag und Nacht, mit den Jahreszeiten, mit der Sonnenaktivität und während geomagnetischer Stürme (Sekiguchi et al. 2008; Pazos et al. 2019). Diese Schwankungen sind gut dokumentiert und für die Geophysik aufschlussreich, denn in ihnen bilden sich der Zustand der Ionosphäre und die weltweite Gewitteraktivität ab.
Viele Jahre lang war die Schumann-Resonanz hauptsächlich ein Konzept, das von Physikern und Meteorologen erforscht wurde. Doch als sich unser Verständnis von Hirnwellentätigkeit und von den feinen Einflüssen auf das Leben erweiterte, begann eine faszinierende Hypothese zu entstehen: Was wäre, wenn die Grundfrequenz der Erde zugleich ein innerer Bauplan für das Leben selbst wäre?
Das Gehirn als Symphonie: Tiefe meditative Zustände verstehen
Um die Verbindung zwischen Schumann-Resonanz und tieferer Meditation zu erforschen, müssen wir zunächst die Elektrophysiologie des menschlichen Gehirns verstehen. Unsere Gehirne sind unglaublich komplexe bioelektrische Organe, die ständig elektrische Impulse erzeugen, die sich als Hirnwellen messen lassen. Diese Hirnwellen werden je nach ihrer Frequenz in verschiedene Bänder kategorisiert, jedes verbunden mit unterschiedlichen Bewusstseinszuständen. Die Grenzen folgen hier dem Glossar der IFCN (Kane et al. 2017), dem international gebräuchlichen Standard.
- Gamma-Wellen (über 30 bis 80 Hz): Verbunden mit erhöhter Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis und Spitzenleistung. Oft zu sehen in Zuständen intensiver Konzentration und „Aha!“-Momenten.
- Beta-Wellen (14 bis 30 Hz): Dominant während bewussten, wachen und aktiven Gedanken. Sie sind vorhanden, wenn wir uns mit Problemlösung, Entscheidungsfindung und nach außen gerichteter Aktivität beschäftigen.
- Alpha-Wellen (8 bis 13 Hz): Gekennzeichnet durch entspannte, achtsame Wachheit. Oft vorhanden während leichter Meditation, Tagträumerei und kreativer Visualisierung. Sie fungieren als Brücke zwischen bewusstem und unbewusstem Verstand.
- Theta-Wellen (4 bis unter 8 Hz): Verbunden mit tiefem Entspannungszustand, Träumen (REM-Schlaf) und profunder Meditation. Die Beschreibung als Tor zur inneren Weisheit und als Zugang zu unbewussten Informationen stammt aus der Meditationsliteratur und steht so nicht im EEG-Glossar.
- Delta-Wellen (0,1 bis unter 4 Hz): Die langsamsten Hirnwellen, dominant während tiefem, traumlosem Schlaf.
Das Meditationsspektrum
Tiefe Meditation ist eine Reise durch diese Hirnwellen-Frequenzen. Systematische Übersichten zum EEG in der Meditation finden bei Übenden im Mittel mehr Alpha- und Theta-Aktivität (Lomas et al. 2015; Lee et al. 2018). Erfahrene Praktizierende berichten darüber hinaus von sehr tiefen Zuständen, die sie mit Frieden, veränderter Wahrnehmung und Einheitserleben beschreiben, manchmal auch als Erleuchtung. Diese Berichte sind Erfahrung, und im EEG sind sie in dieser Form nicht nachgezeichnet.
Der Zahlenvergleich: Erdfrequenz neben den Hirnwellen-Bändern
Hier treffen sich wissenschaftliche und spirituelle Sphären auf wunderbare Weise. Lege die Erdfrequenzen einmal neben die Hirnwellen-Bänder.
- Die Grundfrequenz von rund 7,83 Hz liegt am oberen Rand des Theta-Bandes, knapp unterhalb der Alpha-Grenze von 8 Hz.
- Die zweite Mode liegt mit rund 14 Hz am unteren Ende des Beta-Bandes, das nach demselben Glossar bei 14 Hz beginnt.
- Alle weiteren Moden liegen noch höher. Im Theta-Band selbst gibt es damit genau eine Schumann-Mode, die Grundfrequenz.
Diese Nähe hat viele Forschende und spirituelle Suchende dazu bewogen, die These aufzustellen, dass die natürliche Resonanz der Erde als eine Art Stimmgabel für menschliches Bewusstsein wirkt, besonders in Zuständen tiefster Meditation. Eine Nachbarschaft auf der Frequenzskala bleibt dabei zunächst eine Beobachtung, der Nachweis einer Wirkung steht aus.
Entrainment: die Hypothese vom Mitschwingen
Das Konzept des „Entrainment“ ist hier zentral. Entrainment beschreibt die Tendenz zweier oszillierender Systeme, sich gegenseitig zu synchronisieren. Wenn du beispielsweise mehrere Pendeluhren an einer Wand aufhängst, werden sie nach einer Weile alle im gleichen Takt schwingen. Ähnlich wird die Hypothese vertreten, dass das menschliche Gehirn, besonders in offenen und empfänglichen Zuständen wie der Meditation, mit der Schumann-Resonanz der Erde mitschwingen kann. Bei den Pendeluhren ist dieser Vorgang seit Huygens gemessen und verstanden, und er lässt sich bis heute im Labor nachstellen (Oliveira und Melo 2015). Für Gehirn und Erdfeld ist er es nicht.
- Der Gedanke hinter Alpha und Theta: Wenn wir meditieren, verlangsamt sich unsere Gehirnaktivität von den schnellen Beta-Rhythmen des Alltags. Die dominante Erdfrequenz von rund 7,83 Hz liegt am oberen Rand des Theta-Bandes, dicht unter der Alpha-Grenze. Sie könnte als ein subtiler energetischer Impuls wirken und unserem Gehirn helfen, in diese tieferen, aufnahmefähigeren Zustände überzugehen.
- Die Idee einer Rückkopplungsschleife: Einige Theorien deuten darauf hin, dass unser Gehirn auf die Schumann-Resonanz reagiert und in einem ständigen, feinen Wechselspiel mit ihr steht. Unser Bewusstsein könnte wiederum subtil auf das elektromagnetische Feld der Erde zurückwirken und so ein komplexes, miteinander verflochtenes System erschaffen.
- Die „Null-Punkt-Frequenz“ oder „Gott-Frequenz“: Die 7,83 Hz wird von manchen als „Null-Punkt-Frequenz“ oder „Gott-Frequenz“ bezeichnet, weil sie in dieser Lesart für einen neutralen, ausbalancierten Zustand steht. Beschrieben wird mit diesem Namen ein erlebter Zustand von Ruhe, Klarheit und Zentrierung, wie ihn Menschen aus einer gelingenden Meditationspraxis kennen. Dass die Frequenz selbst diesen Zustand hervorruft, ist damit nicht gezeigt.
Was die Forschung dazu wirklich hergibt
Ein kausaler Zusammenhang zwischen Schumann-Resonanz und individueller Meditationserfahrung ist nicht nachgewiesen. Es gibt aber einige Befunde, die in dieser Debatte immer wieder angeführt werden. Es lohnt sich, genau hinzusehen, was jeder einzelne davon wirklich zeigt.
Forschung zu Hirnwellen-Frequenzen und Schumann-Resonanz
- Die Bunker-Versuche von Erling-Andechs: Rütger Wever beobachtete am Max-Planck-Institut in Erling-Andechs, dass die Tagesrhythmen von Versuchspersonen in einem gegen Erdfelder abgeschirmten Bunker länger wurden und häufiger auseinanderliefen. Ein schwaches elektrisches Wechselfeld von 10 Hz hob diesen Effekt auf (Wever 1973). In dieselbe Zeit fallen Versuche zu Verhaltensänderungen unter ELF-Feldern (König 1974). 10 Hz ist eine andere Frequenz als die der Schumann-Resonanz, das Feld war technisch erzeugt, und untersucht wurden Schlaf-Wach-Rhythmen, keine Meditation. Über die Erdfrequenz sagt der Versuch damit nichts. Bemerkenswert bleibt er als Beispiel dafür, dass sich solche Fragen sauber experimentell stellen lassen, und das ist mehr, als die meisten Behauptungen in diesem Feld für sich beanspruchen können.
- Biofeedback und Meditation: Biofeedback-Forscherinnen haben beobachtet, dass während tiefgreifender meditativer Zustände Personen häufig verstärkte Alpha- und Theta-Hirnwellen-Aktivität aufweisen, also genau in dem Bereich, in dem auch die Grundfrequenz der Schumann-Resonanz liegt. Das ist eine Nachbarschaft auf der Frequenzskala und noch kein Zusammenhang. Dass Alpha und Theta in der Meditation zunehmen, ist in Übersichtsarbeiten zusammengetragen (Lomas et al. 2015), und für diesen Befund braucht es das Erdfeld nicht.
- Geomagnetische Aktivität: Es gibt Untersuchungen zu geomagnetischer Aktivität und Herzfrequenzvariabilität (Alabdulgader et al. 2018; Mattoni et al. 2020; Zilli Vieira et al. 2022). Sie arbeiten mit Gruppen und langen Zeitreihen, und ein geomagnetischer Sturm bringt immer mehrere Einflüsse gleichzeitig mit, vom Wetter bis zum Licht. Als Nachweis, dass die Erdfrequenz deine Meditation trägt, taugt das bisher nicht.
- Zellen im Labor: In Kulturen aus Rattenherzzellen veränderten sehr schwache Magnetfelder im Bereich der ersten Schumann-Mode das Kontraktionsverhalten messbar, und der Effekt blieb auf ein schmales Frequenzfenster begrenzt (Elhalel et al. 2019). Das ist ein Laborbefund an Zellen und keine Aussage über den Menschen.
Die spirituelle Lesart: alte Bilder und moderne Erfahrung
Jenseits der Messinstrumente bieten spirituelle Traditionen Bilder, die sich neben die Schumann-Resonanz-Hypothese legen lassen, ohne sie zu stützen.
- Yoga und Meditation: Viele alte yogische Texte sprechen von inneren Klängen, energetischen Bahnen (Nadis) und Chakras, die mit spezifischen Frequenzen schwingen. Das Ziel tiefgreifender Meditation, besonders Raja Yoga, ist es, den „Geist-Stoff“ zu beruhigen und sich auf ein tieferes, universelles Bewusstsein einzustimmen. Ist es möglich, dass dieses universelle Summen unmittelbar mit dem Rhythmus der Erde verbunden ist?
- Schamanische Trancezustände: Schamanen und indigene Heiler auf der ganzen Welt nutzen rhythmisches Trommeln und Gesang, um Trancezustände hervorzurufen. Wie schnell dabei getrommelt wird, ist von Tradition zu Tradition verschieden. Ob sich das Gehirn von einem solchen Takt mitnehmen lässt, ist nicht geklärt. Dass diese Praxis seit Jahrtausenden in veränderte Zustände führt, steht außer Frage.
- Ein Gefühl der Einheit: Menschen, die regelmäßig meditieren, beschreiben oft Erfahrungen der Verbundenheit, des Eins-Seins mit etwas Größerem als sich selbst. Dieses Gefühl des Einheitsbewusstseins wird oft mit dem Rhythmus des Planeten in Verbindung gebracht. Belegen lässt sich das nicht, und für die Erfahrung selbst braucht es diesen Beleg auch nicht.
Die Praxis: Wege, die aus eigener Kraft tragen
Ob die Schumann-Resonanz für unser Bewusstsein eine Rolle spielt, bleibt offen. Die folgenden Wege lohnen sich trotzdem, denn sie tragen aus eigener Kraft und vertiefen die Praxis ganz unabhängig davon.
1. Verbindung mit der Natur
Der einfachste Weg, dich der Erde zuzuwenden, ist, in ihr zu sein.
- Barfuß-Erdung (Earthing): Laufe barfuß auf Gras, Erde oder Sand. Die Erklärung über einen Elektronenaustausch stammt aus der Earthing-Literatur selbst (Chevalier et al. 2012). Untersucht wurde sie bisher in einzelnen Studien zu Cortisol und Schlaf, eine davon ausdrücklich als Pilotstudie (Ghaly und Teplitz 2004; Lin et al. 2022). Viele Menschen erleben den nackten Kontakt mit dem Boden trotzdem als das, was sie am schnellsten ankommen lässt.
- Zeit in der Natur verbringen: Einfach im Park sitzen, neben einem Baum meditieren oder im Wald spazieren, all das bringt dich in eine Umgebung, in der weniger auf einmal um deine Aufmerksamkeit konkurriert. Für Zeit im Grünen gibt es dazu eine große Übersichtsarbeit über Gesundheitsdaten (Twohig-Bennett und Jones 2018).
- Waldbaden (Shinrin-Yoku): Diese japanische Praxis des Eintauchens in die Waldatmosphäre ist gut untersucht. Feldstudien in japanischen Wäldern haben dazu Cortisol, Puls und Blutdruck gemessen (Park et al. 2009), eine Übersichtsarbeit hat die Cortisolbefunde später zusammengetragen (Antonelli et al. 2019). Als Erklärungen werden Bewegung, Ruhe, natürliche Klänge und die Duftstoffe der Bäume diskutiert. Die Erdfrequenz gehört bisher nicht zu den geprüften Erklärungen.
2. Geführte Meditation und Klangarbeit
- Binaural Beats und Isochronic Tones: Diese Audio-Technologien arbeiten mit fein gegeneinander verstimmten Tönen, und viele Aufnahmen legen es auf 7,83 Hz oder auf die höheren Moden der Schumann-Resonanz an. Dass sich die Hirnwellen davon führen lassen, ist der Anspruch der Anbieter. Belegt ist er nicht, und eine systematische Übersicht ist genau dieser Frage nachgegangen (Ingendoh et al. 2023). Als ruhiger Klangraum für deine Praxis können solche Aufnahmen trotzdem tragen.
- Chants und Mantras: Die repetitive, rhythmische Natur alter Chants und Mantras führt oft in einen meditativen Zustand. Die Vokalisation selbst erzeugt spürbare Vibrationen im Brustraum und im Schädel. Was sie mit den Hirnwellen macht, ist offen. Was sie mit deiner Aufmerksamkeit macht, merkst du nach wenigen Minuten selbst.
- Klangschalen und Gongs: Die reichhaltigen, anhaltenden Töne dieser Instrumente erzeugen komplexe Schallwellen, die tiefe Entspannung und meditative Zustände herbeiführen können. Ihre langen Schwebungen geben der Aufmerksamkeit etwas, woran sie sich halten kann, und das allein trägt eine Praxis schon weit.
3. Bewusstes Atmen und Achtsamkeit
Bewusste Atemtechniken und Achtsamkeitspraxen arbeiten nicht an Frequenzen. Sie machen deine Wahrnehmung feiner für all das, was im Alltagslärm untergeht.
- Tiefe Zwerchfell-Atmung: Langsames, tiefes Atmen verändert Herzfrequenz und Herzratenvariabilität messbar und lässt Körper und Geist zur Ruhe kommen. Dieser Teil ist in Übersichtsarbeiten zusammengetragen (Zaccaro et al. 2018; Laborde et al. 2022). Ob dabei auch der Rhythmus der Erde mitspielt, ist offen.
- Body-Scan-Meditation: Indem du deine Aufmerksamkeit auf verschiedene Körperteile leitest, kannst du Spannungen loslassen und wirst empfindlicher für subtile Verschiebungen im Körper, die sonst untergehen.
- Intention und Visualisierung: Bevor du meditierst, setze die Absicht, dich mit der Erdenergie zu verbinden. Visualisiere, wie du dich in den Planeten verankerst und seinen Puls spürst. Das ist eine Vorstellungsübung. Ihre Kraft liegt in der Aufmerksamkeit, die sie bündelt.
4. Optimiere deine Umgebung
- Minimiere EMF-Exposition: Ob künstliche elektromagnetische Felder aus elektronischen Geräten Beschwerden auslösen, ist untersucht worden: In Provokationsstudien ließ sich ein Zusammenhang bisher nicht zeigen (Rubin et al. 2009; Bosch-Capblanch et al. 2024). Was ohne jeden Zweifel stört, sind Benachrichtigungen. Schaffe eine „Low-EMF“-Zone zum Meditieren, indem du Wi-Fi ausschaltest, unnötige Geräte abziehst und dein Handy in den Flugzeugmodus versetzt.
- Natürliches Licht: Meditiere, wenn möglich, bei natürlichem Licht, besonders um Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Tageslicht ist der stärkste bekannte Taktgeber für den zirkadianen Rhythmus, und das ist gut belegt (Duffy und Czeisler 2009). Der Weg führt dabei über das Auge und hat mit der Schumann-Resonanz nichts zu tun.
Zum Schluss: eine gemessene Zahl und eine offene Frage
In einer Welt, die zunehmend von Schnelligkeit und technologischen Innovationen geprägt ist, tut die Rückbindung an die Rhythmen der Erde vielen Menschen sichtlich gut. Die Schumann-Resonanz gibt dieser Rückbindung ein messbares Bild: Über uns liegt ein Hohlraum, der ununterbrochen klingt, angeregt von rund 44 Blitzen pro Sekunde. Was Mystikerinnen und spirituell Praktizierende seit Jahrtausenden beschreiben, rückt damit in die Nachbarschaft einer gemessenen Zahl. Eine Bestätigung ist das nicht, und gebraucht wird sie auch nicht. Wir gehören zu diesem lebenden, atmenden System dazu, mit jedem Atemzug.
Eine Praxis, die den Rhythmen der Natur Raum gibt, kann tiefere Meditationszustände öffnen und das eigene Wohlbefinden tragen. Ob die Erdfrequenz daran beteiligt ist, weiß bisher niemand. Dass eine regelmäßige Praxis wirkt, wissen die meisten, die eine haben. Darin liegt die Einladung: dich in dem zu verwurzeln, was ohnehin da ist, im Boden unter den Füßen und in der eigenen Aufmerksamkeit.
Die innere Reise ist zugleich eine Reise nach außen, in das weite, verflochtene Gefüge der Existenz. Indem wir unsere Aufmerksamkeit zurück auf die Rhythmen der Erde richten, öffnet sich ein Weg der Selbstentdeckung und einer wacheren Verbindung zu dem, was uns umgibt. Das Summen des Universums ruft, hörst du zu?
Quellen
Gemessen und belegt sind hier die Zahlen: die Blitzrate, die Moden der Schumann-Resonanz, die Bandgrenzen des EEG und das, was langsames Atmen, Zeit im Wald und Tageslicht im Körper bewirken. Die drei Befunde, die in der Entrainment-Debatte immer wieder auftauchen, stehen mit ihren Originalarbeiten hier, damit du selbst nachsehen kannst, worüber sie wirklich sprechen. Dass die Erdfrequenz tiefe Meditationszustände auslöst, trägt keine dieser Arbeiten.
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- Antonelli, M. et al. (2019): Effects of forest bathing (shinrin-yoku) on levels of cortisol as a stress biomarker: a systematic review and meta-analysis. International Journal of Biometeorology 63, 1117-1134. DOI 10.1007/s00484-019-01717-x
- Balser, M. und Wagner, C. A. (1960): Observations of Earth-Ionosphere Cavity Resonances. Nature 188, 638-641. DOI 10.1038/188638a0
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- Bosch-Capblanch, X. et al. (2024): The effects of radiofrequency electromagnetic fields exposure on human self-reported symptoms: A systematic review of human experimental studies. Environment International 187, 108612. DOI 10.1016/j.envint.2024.108612
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- Christian, H. J. et al. (2003): Global frequency and distribution of lightning as observed from space by the Optical Transient Detector. Journal of Geophysical Research: Atmospheres 108, Heft D1. DOI 10.1029/2002JD002347
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