Stell dir für einen Moment eine stille, unsichtbare Symphonie vor, die überall um uns herum erklingt. Einen Grundton, der den ganzen Planeten umspannt und den wir bewusst nie hören. Diese Symphonie gibt es wirklich, sie heißt Schumann-Resonanz, und sie wird seit 1960 gemessen. In ihrem Kern liegt eine einzige, bemerkenswerte Zahl: 7,83 Hz. Was dieser Grundton in uns auslöst, ist eine ganz andere Frage, und die ist bis heute offen. Dieser Artikel hält beides auseinander: was gemessen ist und was gedeutet wird.
Ausführlich mit Quellen und Messreihen: was die Schumann-Frequenz ist.
Seit Jahrhunderten sprechen alte Weisheitstraditionen von einer unsichtbaren Energie, einer Lebenskraft, die alle Dinge miteinander verbindet. Die moderne Wissenschaft arbeitet anders. Sie hat Instrumente gebaut, die zwei Dinge unabhängig voneinander vermessen: das elektromagnetische Feld der Erde und die elektrische Aktivität im menschlichen Gehirn. Beide bewegen sich in einem erstaunlich ähnlichen Frequenzfenster. Genau dort, bei 7,83 Hz, treffen sich die Neugier der Physik und eine sehr alte Ahnung von Verbundenheit. Ob daraus mehr wird als eine Nachbarschaft von Zahlen, ist noch nicht entschieden.
Das unbekannte Summen der Erde: Schumann-Resonanzen verstehen
Bevor wir uns in die Tiefe der 7,83 Hz begeben, lass uns zunächst ihren Ursprung verstehen. Die Erde trägt ein Magnetfeld, das tief im flüssigen äußeren Erdkern entsteht. Darüber liegt eine zweite, viel schwächere elektromagnetische Erscheinung: das Wellenfeld, das die Blitze der Erde im Hohlraum zwischen Boden und Ionosphäre anregen. In diesem Hohlraum bilden sich stehende Wellen bei ganz bestimmten Frequenzen, und die heißen Schumann-Resonanzen (SR), benannt nach dem deutschen Physiker Winfried Otto Schumann, der ihre Existenz 1952 rechnerisch vorhersagte (Tritakis et al. 2021).
Stell dir die Erde und ihre Ionosphäre (eine Schicht geladener Partikel in der oberen Atmosphäre) als einen riesigen, kugelförmigen Wellenleiter vor, einen Resonanzraum. Blitzschläge, weltweit rund 44 pro Sekunde (Christian et al. 2003), wirken wie gigantische Stimmgabeln und regen elektromagnetische Wellen in diesem Raum an. Diese Wellen prallen zwischen der Erdoberfläche und der Ionosphäre hin und her und erzeugen stehende Wellen bei extrem niedrigen Frequenzen (ELF). Für diese sehr langen Wellen wirkt die untere Ionosphäre wie ein Deckel in rund 60 bis 90 Kilometern Höhe, während die Ionosphäre als Schicht bis etwa 1000 Kilometer reicht.
Die grundlegende Resonanzfrequenz, die tiefste und kräftigste „Note“ in dieser planetaren Symphonie, liegt im Durchschnitt bei rund 7,83 Hz. Das ist die erste Schumann-Resonanz. Darüber liegen schwächere Moden bei rund 14, 20, 26 bis 27 und 32 bis 33 Hz. Eine kanonische Tabelle gibt es hier nicht: drei Stationen liefern drei leicht verschiedene Reihen, und die Moden wandern im Tages- und Jahresgang. Ein schönes Detail aus der Wissenschaftsgeschichte gehört dazu: Zuerst war die Rechnung da, die Messung kam später. Schumann sagte die Resonanzen 1952 rechnerisch voraus, Balser und Wagner bestätigten sie 1960 und 1962 als Erste experimentell (Tritakis et al. 2021). Welchen Zahlenwert Schumanns Rechnung ergab, schreiben wir ihm hier nicht zu, seine Arbeit ist nicht frei abrufbar. Gemessen wird die Grundnote seit 1960, und sie hält sich über die Jahrzehnte hinweg erstaunlich verlässlich.
Die Physik der Resonanz: Von der Schaukel zur stehenden Welle
Das Konzept der Resonanz ist entscheidend. In der Physik tritt Resonanz auf, wenn ein oszillierendes System durch eine äußere Kraft bei einer Frequenz angetrieben wird, die nahe an seiner eigenen natürlichen Oszillationsfrequenz liegt. Das klassische Beispiel ist eine Schaukel. Wenn du im richtigen Takt anschiebst, also in ihrer eigenen Frequenz, schwingt sie immer höher.
Unsere Körper, besonders unser Gehirn, arbeiten elektrisch. Hirnwellen, gemessen mit Elektroenzephalographie (EEG), schwingen in verschiedenen Frequenzbändern, die mit verschiedenen Wach- und Aufmerksamkeitszuständen einhergehen. Alpha-Wellen zum Beispiel werden mit entspannten, meditativen Zuständen in Verbindung gebracht. Die Frequenzgrenzen folgen dem Glossar der International Federation of Clinical Neurophysiology: Alpha reicht von 8 bis 13 Hz, direkt darunter liegt Theta von 4 bis unter 8 Hz (Kane et al. 2017). Die Zuordnung zu Bewusstseinszuständen kommt aus der Beobachtung im Labor und steht so nicht im Glossar. Hier beginnt es interessant zu werden.
Die 7,83-Hz-Frequenz und menschliches Bewusstsein: eine auffällige Nachbarschaft
Die Grundfrequenz der Erde liegt bei 7,83 Hz und damit am oberen Rand des Theta-Bandes, keine zwei Zehntel Hertz unterhalb der Alpha-Grenze von 8 Hz. Diese Nachbarschaft ist auffällig, und sie hat Forschende neugierig gemacht: Hat unsere innere elektromagnetische Beschaffenheit etwas mit der elektromagnetischen Umgebung zu tun, in der wir leben? Eine belastbare Antwort darauf steht bis heute aus. Die Frage bleibt trotzdem eine der schönsten, die man an den eigenen Körper stellen kann.
Hirnwellen-Entrainment: was gezeigt ist und was nicht
Hirnwellen-Entrainment beschreibt, dass sich Hirnwellen mit einem äußeren, rhythmischen Reiz gleichschalten. Bei starken Sinnesreizen wie flackerndem Licht lässt sich das im EEG zeigen. In einer Untersuchung mit dreißig rekrutierten Personen, von denen am Ende 25 in die Auswertung kamen, koppelten sich die Hirnwellen umso deutlicher an ein rhythmisches Blinklicht, je näher dessen Takt an der eigenen Alpha-Frequenz lag (Notbohm et al. 2016). Für binaurale Beats ist die Befundlage uneinheitlich: Eine systematische Übersicht sichtete vierzehn Studien, fünf davon stützen die Entrainment-Annahme, acht widersprechen ihr, eine kam zu gemischten Ergebnissen (Ingendoh et al. 2023). Und ob das sehr schwache 7,83-Hz-Signal der Erde so wirkt, ist eine offene Frage der Forschung.
Studien, die eine solche Angleichung für das Feld der Erde selbst zeigen, kennen wir nicht. Was dem entspannten Alpha-Zustand zugeschrieben wird, ist dagegen oft beschrieben. Die ersten drei der folgenden Punkte sind Erfahrungswissen, für das wir hier keine Quelle anführen, erst der vierte ist belegt:
- Verstärkte Entspannung: Dem Alpha-Zustand werden tiefe Entspannung, weniger Stress und ein Gefühl von Ruhe zugeschrieben. Ruhige Praktiken wie Meditation oder langsames Atmen führen viele Menschen in genau diese Ruhe, ganz ohne Umweg über das Erdfeld.
- Erhöhte Kreativität und Intuition: Der Alpha-Zustand gilt vielen als Tor zu kreativer Einsicht, Intuition und „Aha!“-Momenten bei der Problemlösung. Das ist eine Zuschreibung aus der Erfahrung. Wenn der denkende Verstand zur Ruhe kommt, bekommt der intuitive Verstand Platz.
- Verbesserte Lern- und Gedächtnisfähigkeit: Viele Menschen lernen am besten in einem entspannten und zugleich fokussierten Zustand. Ob sich der im EEG verlässlich als Alpha-Aktivität zeigt, lassen wir hier offen.
- Tiefere meditative Zustände: Bei Meditierenden zeigt das EEG im Vergleich zu Menschen ohne Meditationserfahrung mehr Theta-Aktivität in den vorderen und mehr Alpha-Aktivität in den hinteren Hirnregionen (Lee et al. 2018). Das Theta-Band reicht von 4 bis unter 8 Hz, und genau an dessen oberem Rand liegt die Grundfrequenz der Erde.
Jenseits von Alpha: die höheren Moden und ihre Nachbarbänder
Meist wird die Verbindung zu Alpha-Wellen gezogen. Manche Forschende und viele spirituelle Traditionen schauen darüber hinaus. Die höheren Moden der Schumann-Resonanzen liegen nämlich im Bereich anderer Hirnwellen-Bänder: die zweite Mode bei rund 14 Hz liegt am unteren Ende des Beta-Bandes (14 bis 30 Hz), die dritte bei rund 20 Hz und die vierte bei 26 bis 27 Hz liegen mitten darin, die fünfte bei 32 bis 33 Hz streift den unteren Gamma-Bereich (über 30 bis 80 Hz; Bandgrenzen nach Kane et al. 2017). Diese Zuordnung ruht auf gerundeten Zahlen. Die beiden hier gelesenen Arbeiten runden anders, Tritakis et al. 2021 nennt 7,8, 14, 21, 28 und 35 Hz, Saroka et al. 2016 rund 8, 14, 20, 26 und 33 Hz. Am Bild ändert das wenig, auf eine einzelne genaue Zahl sollte man sich trotzdem nicht verlassen. Gamma-Aktivität wird mit hoher Aufmerksamkeit, Wachheit und integrierten Denkprozessen in Verbindung gebracht, beschrieben auch in Zuständen tiefer Versenkung oder im „Flow“. Diese Gegenüberstellung ist eine Nachbarschaft von Zahlen. Eine Verbindung zwischen den Erdmoden und diesen Hirnzuständen ist damit nicht gezeigt.
Das Bild, das dabei gern gemalt wird: ein fein abgestimmtes Instrument, unser Gehirn, das dem Dirigenten folgt, der Frequenz der Erde. Ein schönes Bild, und es bleibt ein Bild. Für eine solche Kopplung gibt es bisher keine belastbaren Studien.
Die spirituelle Deutung des Herzschlags der Erde
Jenseits der Messwerte trägt die 7,83-Hz-Frequenz in vielen Traditionen eine tiefe spirituelle Bedeutung. Dort gilt sie als lebendiger, atmender Aspekt von Gaia, unserer planetaren Mutter. Alles Folgende ist Deutung. Gemessen ist davon nichts, und als Deutung ist es wertvoll genug.
Verbindung zu Gaia und universeller Lebenskraft
Viele indigene Kulturen und spirituelle Praktiken betonen eine tiefe Verbindung zur Erde. In dieser Lesart wird sie als energetische Lebensader erlebt, und die 7,83-Hz-Frequenz steht darin für den Pulsschlag von Gaia, der alles Lebendige trägt. Wer sich darauf einlässt, beschreibt oft ein Gefühl von Zugehörigkeit, von Aufgeladensein, von Einheit mit allem Leben. Das sind Erfahrungsberichte. Gemessen wird daran nichts, und wertvoll sind sie trotzdem.
Om und die Erdfrequenz
Der heilige Ton „Om“ oder „Aum“ wird im Hinduismus, Buddhismus und Jainismus als der Klang des Universums verehrt. Gesungen wird er als hörbarer Ton, mit einer Grundfrequenz im Bereich der menschlichen Stimme, also rund 100 bis 200 Hz. Bei 7,83 Hz könnte niemand singen, dort hört die Tonempfindung auf. Om und die Erdfrequenz teilen also keine gemeinsame Zahl. Was sie verbindet, ist die Erfahrung von langsamer, gleichmäßiger Wiederholung: ein Atem, ein Ton, eine Schwingung, die immer wiederkehrt. Die alten Mystiker hatten keine Messgeräte. Beschrieben haben sie einen Zustand, und der lässt sich bis heute nachvollziehen, ganz ohne eine Zahl, die dafür stimmen müsste.
Das Nullpunkt-Feld und kollektives Bewusstsein
In esoterischen Entwürfen wird die Schumann-Resonanz, besonders die 7,83 Hz, gern als Trägerwelle für ein „Nullpunkt-Feld“ oder ein universelles Informationsfeld beschrieben, in dem alles Wissen aufgehoben sei. Daraus wird dann ein Zugang zu kollektivem Bewusstsein, zu Intuition und zu nicht-lokalen Phänomenen abgeleitet. Mit der gemessenen Physik der Schumann-Resonanz hat dieser Gedanke nichts zu tun, geprüft ist davon nichts. Als Bild für ein Gefühl von Verbundenheit darf er trotzdem stehen bleiben, solange man ihn als Bild liest.
Modernes Leben und das Gefühl von Entwurzelung
In unserem zunehmend urbanisierten Leben verbringen viele von uns weniger Zeit in direkter Verbindung mit der Natur. Ob Beton, Geräte und Kunstlicht uns dabei von den Schumann-Resonanzen abschirmen, ist nicht untersucht. Ein Größenvergleich lohnt sich trotzdem: Für das magnetische Feld der Schumann-Resonanz wird in der Literatur eine Größenordnung von rund einem Pikotesla genannt (zitiert nach Saroka et al. 2016), während ein Kühlschrank in drei Zentimetern Abstand 0,5 bis 1,7 Mikrotesla erzeugt (WHO), also etwa das Millionenfache. Die Gerätefelder schwingen mit der Netzfrequenz von 50 Hz und liegen damit über dem Grundton der Erde, in der Stärke übertreffen sie ihn um Größenordnungen. Diese „Entwurzelung“ wird von manchen als Faktor für Stress, Angst und Schlafstörungen genannt, belegt ist das nicht. Gut belegt ist etwas anderes: Tageslicht, Bewegung und Zeit draußen tun der inneren Uhr gut, und das ist Grund genug, sie sich zu gönnen.
Praktische Wege zu mehr Ruhe und Erdung
Die Physik und die Deutungen rund um 7,83 Hz zu verstehen, ist das eine. Ein Alltag, in dem du dir Ruhe und Erdung gönnst, ist etwas anderes. Die folgenden Wege wirken über Entspannung, Aufmerksamkeit und Zeit in der Natur. Eine Wirkung über die Erdfrequenz behaupten sie nicht:
1. Erdung
Das ist der unmittelbarste Weg, weil er nichts braucht außer einem Stück Boden. Erdung bedeutet, direkten physischen Kontakt mit der Erdoberfläche herzustellen. Das gängige Bild dazu: Du steckst deinen Körper in den elektrischen Stromkreis der Erde. Ein Bild, mehr nicht.
- Barfuß gehen: Zwanzig bis dreißig Minuten am Tag auf Gras, Erde, Sand oder Beton (Asphalt leitet nicht). Diese Zeitangabe ist ein Erfahrungswert und keine Studienempfehlung.
- In natürlichen Gewässern schwimmen: Meer, See und Fluss unterscheiden sich darin, wie gut sie elektrischen Strom leiten. Eine geprüfte Zahl dazu haben wir für diesen Artikel nicht gefunden. Der Kontakt mit dem nassen Grund unter den Füßen bleibt in allen dreien derselbe.
- Auf der Erde sitzen oder liegen: Setz dich einfach hin oder leg dich direkt auf den Boden.
- Erdungsprodukte nutzen: Für die Stadt oder die kalte Jahreszeit gibt es Erdungsmatten, -laken und -pflaster. Sie verbinden dich über den Schutzleiter deiner Hausinstallation mit dem Erdpotenzial. Ob daraus mehr folgt als ein Potenzialausgleich, ist offen.
Was davon zu erwarten ist: Berichtet werden weniger Schmerzen, besserer Schlaf und eine ruhigere Stimmung. Die Übersichtsarbeit, die diese Berichte zusammenträgt, führt dafür kleine Studien auf, die kleinste mit zehn und die größte mit 84 Teilnehmenden, dazwischen Gruppen mit 12, 27, 58 und 60 Personen. Drei ihrer Autoren legen am Ende offen, dass sie als Auftragnehmer für die Firma arbeiten, die diese Forschung finanziert, und Anteile an ihr halten (Chevalier et al. 2012). Eine belastbare Wirkung ist damit nicht gezeigt. Sicher ist das Naheliegende: Barfuß im Gras zu stehen bringt dich nach draußen, verlangsamt dich und holt die Aufmerksamkeit in den Körper. Dass dabei eine Resonanz mit 7,83 Hz entsteht, ist eine Annahme ohne Nachweis.
2. Meditation und Achtsamkeit
Eine Übersichtsarbeit fasst zusammen, dass Meditierende im EEG vorn mehr Theta- und hinten mehr Alpha-Aktivität zeigen als Menschen ohne Meditationserfahrung (Lee et al. 2018). Damit liegt dein Gehirn in demselben schmalen Frequenzfenster, in dem auch die Grundfrequenz der Erde liegt. Ob sich dabei etwas mit dem Erdfeld koppelt, ist offen. Die Ruhe, die aus der Praxis entsteht, stellt sich auch ohne diese Annahme ein.
- Fokus auf deine Atmung: Verankere deine Aufmerksamkeit in deinem Atem und lass deinen Geist in einen ruhigeren Rhythmus absinken.
- Naturmeditation: Meditiere im Freien und verbinde deine Sinne mit den Geräuschen, Bildern und Gerüchen der Natur. Das vertieft die Erfahrung von Erdung.
- Schumann-Resonanz-Meditationen: Einige angeleitete Meditationen arbeiten mit Tönen oder Binaural Beats, die auf 7,83 Hz eingestellt sind. Ob dabei ein Mitschwingen der Hirnwellen entsteht, ist offen. Als Anker für die Aufmerksamkeit funktionieren sie auch so.
- Klangbäder: Gongs und Klangschalen tragen viele Menschen in einen tiefen Ruhezustand, und tiefe Ruhe zeigt sich im EEG als Alpha- und Theta-Aktivität. Eine Ausrichtung an den Frequenzen der Erde ist damit nicht verbunden, jedenfalls ist sie nirgends gezeigt.
3. Zeit in der Natur verbringen
Das geht über bloße Erdung hinaus. Hier geht es darum, dich in natürliche Umgebungen zu versenken.
- Waldbaden (Shinrin-Yoku): Einfach präsent in einem Wald sein und alle Sinne mitnehmen. Viele Menschen erleben das als spürbar stressabbauend und stimmungsaufhellend. Ein eigenes elektromagnetisches Feld des Waldes, das dabei wirkt, ist nicht nachgewiesen und für den Effekt auch nicht nötig.
- Gärtnern: Mit Erde zu arbeiten bringt dich in direkten Kontakt mit dem Boden, mit Händen im Dreck und einem Blick, der bei den Pflanzen bleibt.
- Wandern und Erkunden: Wer regelmäßig in wechselnden Landschaften unterwegs ist, bekommt Tageslicht, Bewegung und einen Tag, der sich am Licht orientiert. Das stabilisiert die innere Uhr.
4. Soundfrequenzen und Binaural Beats
Die Erde liefert ihren Grundton ohnehin. Daneben gibt es Technik, die 7,83 Hz hörbar oder erlebbar machen will.
- Schumann-Resonanz-Generatoren: Es gibt Geräte, die ein 7,83-Hz-Feld aussenden sollen. Für eine Wirkung auf den Menschen gibt es bisher keine belastbaren Studien, weder zum Nutzen noch zur Langzeitsicherheit.
- Binaural Beats und isochrone Töne: Es gibt Audiospuren, die mit einer Schwebung um 7,83 Hz arbeiten. Für Binaural Beats brauchst du Kopfhörer, weil jedes Ohr eine leicht unterschiedliche Frequenz bekommt und der „Beat“ erst beim Hören entsteht. Dass sich Hirnwellen danach ausrichten, ist eine Annahme, und die vorhandenen Studien gehen weit auseinander (Ingendoh et al. 2023). Viele Menschen hören solche Spuren einfach, weil sie beim Ruhigwerden helfen.
5. Bewusste Verbindung und Intention
Über das Physische und Akustische hinaus gibt es die Kraft der Intention.
- Visualisiere die Verbindung: Während der Meditation oder in ruhigen Momenten stelle dir vor, dass du tief in der Erde verwurzelt bist und ihren stetigen Puls durch dich fließen spürst.
- Dankbarkeit ausdrücken: Kultiviere ein aufrichtiges Gefühl der Dankbarkeit für die Erde und alles, was sie trägt. Diese bewusste Wertschätzung verändert vor allem, wie du hinschaust.
- Tägliche Affirmationen: Sätze wie „Ich bin tief mit der Weisheit der Erde verbunden“ oder „Ich schwinge mit Gaias liebevollem Herzschlag“ richten deine Aufmerksamkeit jeden Tag neu aus. Sie arbeiten mit deiner Aufmerksamkeit. Eine Frequenzwirkung steckt nicht dahinter.
Die Zukunft der Forschung: offene Fragen zwischen Physik und Neurobiologie
Die Frage, ob die Schumann-Resonanzen etwas mit menschlichem Bewusstsein zu tun haben, ist ein junges und dünn besetztes Forschungsfeld an der Grenze von Physik und Neurobiologie. Bislang gibt es dazu vor allem Korrelationen an kleinen Gruppen. Ob daraus je ein belegter Wirkweg wird, ist offen.
Erforscht wird derzeit außerdem:
- Die „Global Coherence“ Initiative: Solche Projekte messen Herzraten und Feldwerte gleichzeitig und formulieren daraus die Hypothese, kollektives menschliches Bewusstsein und Erdmagnetfeld könnten sich gegenseitig beeinflussen (HeartMath Institute). Die viel zitierte Auswertung dazu umfasst 16 Teilnehmerinnen über fünf Monate, und drei ihrer sieben Autoren gehören dem Institut an, das die Hypothese vertritt (Alabdulgader et al. 2018). Bestätigt ist die Hypothese damit nicht.
- Sonneneruptionen und geomagnetische Aktivität: Wie wirken sich Sonneneruptionen, Sonnenflecken und geomagnetische Stürme, die die Ionosphäre und damit die Schumann-Resonanzen erheblich beeinflussen, auf menschliches Verhalten, Emotionen und kollektives Bewusstsein aus? Bislang gibt es dazu vor allem Erfahrungsberichte über Phasen von Unruhe oder erhöhter Kreativität. Erfahrungsberichte sind ein Anfang, ein Befund entsteht erst mit systematischen Daten.
- Jenseits von 7,83 Hz: Die höheren Moden bei rund 14, 20, 26 bis 27 und 32 bis 33 Hz sind physikalisch gut vermessen. Ob sie für den Menschen eine eigene Rolle spielen, ist bisher nicht untersucht.
Diese Forschung könnte unser Verständnis dafür vertiefen, was es bedeutet, menschlich zu sein, eingebettet in den Pulsschlag unseres Planeten und den größeren Kosmos. Vorerst bleibt sie eine Sammlung offener Fragen, und offene Fragen sind ein guter Ort zum Weiterdenken.
Fazit: Ein gemessener Grundton und eine offene Frage
Die 7,83-Hz-Frequenz ist zunächst eine gut vermessene Größe der Geophysik, der Grundton eines Hohlraums, den Blitze anschlagen. Dass so viele Menschen darin einen Herzschlag hören, sagt etwas über uns. Als Bild lädt dieser Herzschlag ein, langsamer zu werden und sich zugehörig zu fühlen. Als Messwert sagt er über unser Bewusstsein bislang nichts.
In einer Welt voller künstlicher Strukturen und digitalem Lärm tut es gut, sich Ruhe zurückzuholen. Erdung, Meditation und Zeit in der Natur wirken dabei über etwas sehr Bodenständiges: über Aufmerksamkeit, über Bewegung, über Licht und über den Atem. Das reicht vollkommen, um ruhiger zu werden und sich als Teil eines größeren Zusammenhangs zu erleben.
Mögest du den Puls der Erde unter deinen Füßen spüren und in deiner Seele, und mögest du darin tiefen Frieden, Weisheit und grenzenlose Verbundenheit finden.
Quellen
Diese Quellen wurden am 29.08.2026 geprüft. Wo eine Arbeit nicht frei zugänglich war, steht das an der Stelle dabei.
- Tritakis, V., Contopoulos, I., Florios, C., Tatsis, G., Christofilakis, V., Baldoumas, G., Repapis, C. (2021): Anthropogenic Noise and Its Footprint on ELF Schumann Resonance Recordings. Frontiers in Earth Science 9:646277. doi:10.3389/feart.2021.646277. Beschreibt die Schumann-Resonanzen als Wellen im Hohlraum zwischen Erdoberfläche und unterer Ionosphäre, nennt Blitze als Quelle und hält fest, dass Schumann sie 1952 theoretisch beschrieb und Balser und Wagner sie 1960 und 1962 experimentell bestätigten. Die dort genannten Moden sind gerundet auf 7,8, 14, 21, 28 und 35 Hz.
- Christian, H. J. et al. (2003): Global frequency and distribution of lightning as observed from space by the Optical Transient Detector. Journal of Geophysical Research: Atmospheres 108, 4005. doi:10.1029/2002JD002347. Belegt die rund 44 Blitze pro Sekunde. Diese Arbeit war für uns hier nicht frei abrufbar, die Zahl stammt aus unserer geprüften Zahlenliste.
- Kane, N., Acharya, J., Beniczky, S., Caboclo, L., Finnigan, S., Kaplan, P. W., Shibasaki, H., Pressler, R., van Putten, M. J. A. M. (2017): A revised glossary of terms most commonly used by clinical electroencephalographers and updated proposal for the report format of the EEG findings. Revision 2017. Clinical Neurophysiology Practice 2, 170-185. doi:10.1016/j.cnp.2017.07.002. Legt die Bandgrenzen wörtlich fest: Alpha 8 bis 13 Hz, Beta 14 bis 30 Hz, Theta 4 bis unter 8 Hz, Delta 0,1 bis unter 4 Hz, Gamma über 30 bis 80 Hz.
- Notbohm, A., Kurths, J., Herrmann, C. S. (2016): Modification of Brain Oscillations via Rhythmic Light Stimulation Provides Evidence for Entrainment but Not for Superposition of Event-Related Responses. Frontiers in Human Neuroscience 10:10. doi:10.3389/fnhum.2016.00010. Dreißig rekrutierte Teilnehmende, 25 davon in der Auswertung. Zwei Datensätze fielen wegen technischer Fehler weg, drei weitere wegen Harmonischer im Filterband.
- Ingendoh, R. M., Posny, E. S., Heine, A. (2023): Binaural beats to entrain the brain? A systematic review. PLOS ONE 18(5): e0286023. doi:10.1371/journal.pone.0286023. Vierzehn eingeschlossene Studien, fünf stützend, acht widersprechend, eine gemischt.
- Lee, D. J., Kulubya, E., Goldin, P., Goodarzi, A., Girgis, F. (2018): Review of the Neural Oscillations Underlying Meditation. Frontiers in Neuroscience 12:178. doi:10.3389/fnins.2018.00178. Übersicht, keine eigene Messung.
- Chevalier, G., Sinatra, S. T., Oschman, J. L., Sokal, K., Sokal, P. (2012): Earthing: Health Implications of Reconnecting the Human Body to the Earth’s Surface Electrons. Journal of Environmental and Public Health 2012:291541. doi:10.1155/2012/291541. Sammelt kleine Studien, darunter Gruppen mit 12, 27, 58 und 60 Teilnehmenden, dazu eine mit zehn Personen und Experimente mit Gruppen von 12 bis 84 Teilnehmenden. Drei der Autoren erklären am Ende der Arbeit, dass sie als Auftragnehmer für die Firma arbeiten, die diese Forschung finanziert, und Anteile an ihr halten.
- Saroka, K. S., Vares, D. E., Persinger, M. A. (2016): Similar Spectral Power Densities Within the Schumann Resonance and a Large Population of Quantitative Electroencephalographic Profiles. PLOS ONE 11(1): e0146595. doi:10.1371/journal.pone.0146595. Wir übernehmen daraus ausschließlich die Angabe zur Feldstärke von rund einem Pikotesla, und auch die steht dort als Zitat einer älteren Arbeit zu ELF-Feldern, ist also keine eigene Messung dieser Autoren. Dieselbe Arbeit nennt die Moden uneinheitlich, an einer Stelle mit rund 8, 14, 20, 26 und 33 Hz, an anderer bis 32,5 Hz. Die Hauptaussage dieser Arbeit ist umstritten und wird hier nicht als Beleg verwendet.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Radiation: Electromagnetic fields, Fragen und Antworten. who.int. Tabelle typischer Magnetfelder von Haushaltsgeräten bei Netzfrequenz 50 Hz, Kühlschrank 0,5 bis 1,7 Mikrotesla in 3 cm Abstand, Hintergrundfeld in Wohnungen bis etwa 0,2 Mikrotesla.
- Alabdulgader, A., McCraty, R., Atkinson, M., Dobyns, Y., Vainoras, A., Ragulskis, M., Stolc, V. (2018): Long-Term Study of Heart Rate Variability Responses to Changes in the Solar and Geomagnetic Environment. Scientific Reports 8, 2663. doi:10.1038/s41598-018-20932-x. 16 Teilnehmerinnen über fünf Monate.
- HeartMath Institute: Global Coherence Initiative. heartmath.org/gci. Die Selbstbeschreibung des Projekts.